«Die Schweiz hat sehr gutes Schulsystem»

Asvitha Loganathan (15) hat sich für eine Banklehre entscheiden. Wie sie das Ausbildungssystem beurteilt und was sie über die Bankenwelt denkt, sagt sie im Teil V der cash-Interviewserie mit jungen Frauen in der Schweiz.
19.12.2014 01:05
Interview: Marc Forster
Asvitha Loganathan möchte in der Lehre möglichst viele Aspekte des Bankwesens kennenlernen.
Asvitha Loganathan möchte in der Lehre möglichst viele Aspekte des Bankwesens kennenlernen.
Bild: ZVG

Heute veröffentlich cash das letzte Interview der Serie mit jungen Frauen in der Schweiz und stellt Asvitha Loganathan (15) aus Zürich-Wiedikon vor. Sie hat im vergangenen August bei der Bank Zweiplus eine dreijährige Lehre als Bankkauffrau angefangen. Sie absolviert ihre Ausbildung mit Berufsmatura. Asvitha Loganathans Eltern sind vor 25 Jahren aus Sri Lanka in die Schweiz eingewandert. Sie selbst ist in der Schweiz geboren.

cash: Warum haben Sie sich für eine Lehre bei einer Bank entschieden?

Asvitha Loganathan: Ich ging zuerst aufs Gymnasium, aber dort gefiel es mir überhaupt nicht. Ich verliess dann das Gymnasium, und habe mich umgeschaut, was es für Berufe es gibt. Die Bank und Wirtschaftsthemen haben mich immer interessiert, und so habe ich mich in Internet informiert. Deswegen entschied ich mich für eine Banklehre.

Die Schweiz wird oft gelobt für ihr duales Ausbildungssystem. Wo sehen Sie die Vorteile einer Lehre?

Man bekommt von allem etwas mit: Einerseits die Schule, andererseits den beruflichen Alltag. Mit 15 Jahren sehe ich schon viel vom Berufsleben. Ich arbeite in verschiedenen Abteilungen – Dienstleistungen, Kontoeröffnungen, Direktkunden, Rechtsabteilung, Datenverarbeitung, Transaktionsgeschäft: Wenn ich später einmal in einer Bank arbeiten will, habe ich schon einiges gesehen und kann mich besser entscheiden, was mich interessiert und was ich vertiefen will. Im Gymnasium würde ich nur die schulische Ausbildung kennenlernen und müsste ich die Praxis beispielsweise über Praktika kennenlernen.

Ist für Sie später auch eine Weiterbildung ein Thema? Wird dies in Ihrer Ausbildung diskutiert?

In der Schule wird das diskutiert, ich würde mir aber wünschen, dass dies noch mehr behandelt würde. In der Bank ist das Thema Weiterbildung stärker gewichtet.

Die Finanzindustrie wird wegen Steueraffären, hohen Löhnen und Boni manchmal kritisiert. Wie sehen Sie die Schweizer Bankenwelt?

Im Ausland sagen die Leute auch: "Oh, Du arbeitest bei einer Bank!" Das Thema Schwarzgeld wird dann aufgebracht. Aber heute bestehen viele Kontrollen und Weisungen, in denen wir auch geschult werden. Wenn ich ein Konto eröffne, muss ich sehr viele Vorschriften beachten. In der Ausbildung wurde uns auch schon ausführlich die Geldwäscherei-Gesetzgebung erläutert.

Sind für Sie persönlich die Finanzmärkte interessant, das heisst, investieren sie auch beispielsweise in Aktien?

Im Moment ist es noch zu früh (schmunzelt). Aber ich denke, dass ich mich später schon auch für Aktien interessieren werde.

Wenn Sie nicht bei einer Bank arbeiten würden, was wäre ein Traumjob für Sie?

Psychotherapeutin wäre auch ein interessanter Beruf. Mich hat immer interessiert, wie sich Menschen verhalten und wie Menschen Probleme überwinden.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich möchte dann meine Lehre beendet haben und Berufserfahrungen sammeln. Ich würde gerne einen Sprachaufenthalt machen, und zwar in einem englischsprachigen Land, am liebsten in den USA. Ich stamme selber aus Asien und interessiere mich sehr für andere Kulturen.

Wer ist Ihr grösstes Vorbild?

Ich habe an sich kein Vorbild – ich möchte meine eigenen Ziele verfolgen. Aber ein ganz zentraler Mensch in meinem Leben ist meine Mutter. Sie ist nicht nur eine Mutter für mich, sondern auch eine Freundin. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis.

Angenommen, Sie wären Firmenchefin. Wie würden Sie ein Unternehmen leiten?

Ich würde darauf achten, dass sich alle Mitarbeiter gut verstehen und versuchen, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Wenn in einer Firma ein guter Geist herrscht, arbeiten die Mitarbeiter besser – davon bin ich überzeugt. Wichtig wäre mir, dass auch Lernende im Betrieb sind. Und ich würde versuchen, wenig auf "Rangunterschiede" zu achten, sondern möglichst mit allen den direkten Kontakt pflegen.

Nennen Sie einen Grund, weswegen Sie gerne in der Schweiz leben!

Vor allem das Schulsystem. Im Vergleich ist es sehr gut und ich denke, dass man hier einen sehr guten Abschluss bekommt. In der Schule lernen wir Französisch und Englisch – in der Schweiz spielt die Sprachausbildung eine wichtige Rolle. Was mir auch gefällt: Wenn jemand keine so guten schulischen Leistungen erbringt, wird ihm geholfen, man findet immer eine Lösung.

Was muss sich Ihrer Meinung nach in der Schweiz ändern? 

Wenn jemand in die Schweiz einwandert, dann herrschen je nach Kanton strenge Vorschriften. Wenn jemand nicht gut deutsch kann, dann wird er unter Umständen benachteiligt. Es bräuchte einheitlichere Gesetze.

Wenn Sie zu Weihnachten eine Million Franken bekämen. Was würden Sie damit anstellen?

Ich würde sicher einkaufen gehen! Ich würde dabei natürlich auch an andere Menschen denken. Dann würde ich sicher auch einen Betrag spenden. Den Rest würde ich sparen, ein Teil aufs Konto geben und einen Teil anlegen. In der Ausbildung werden wir uns noch verstärkt mit Anlagethemen und den Finanzmärkten auseinandersetzen.

Was ist Ihr grösster Wunsch für das kommende Jahr?

Gesundheit, und für alles andere: Ich lasse mich gerne überraschen.