Die Schweiz ist ein Benzin-Billigland

Von wegen Hochpreisinsel: Gemessen am Einkommen ist der Benzinpreis nur in wenigen Ländern günstiger als in der Schweiz. Das zeigt ein internationaler Vergleich.
20.07.2016 12:01
Von Ivo Ruch
Für einmal kein Konsumfrust: Die Schweizer gehören zu den Billig-Tankern.
Für einmal kein Konsumfrust: Die Schweizer gehören zu den Billig-Tankern.
Bild: Bloomberg

Immer wieder wird gejammert, die Schweiz sei in vieler Hinsicht zu teuer. Tatsächlich werden vergleichbare Produkte jenseits der Landesgrenzen häufig viel billiger angeboten. In einem Bereich ist die Schweiz aber definitiv keine Hochpreisinsel: beim Benzinpreis. Fast nirgends in der industrialisierten Welt ist der Treibstoff für die ansässige Bevölkerung so erschwinglich wie in der Schweiz.

Das wird ersichtlich aus einer detaillierten interaktiven Grafik der Nachrichtenagentur Bloomberg. Sie hat den Benzinpreis in 61 Ländern dem Einkommen gegenübergestellt.

Bloomberg rechnet mit einem Schweizer Benzinpreis von 1,44 Franken, was international kein besonders günstiger Wert ist. Nur in 13 Ländern ist der Treibstoff noch teurer. Das vor allem in europäischen Staaten und Hongkong.

Dabei spielt vor allem die Höhe der Besteuerung eine grosse Rolle. Knapp die Hälfte des Schweizer Treibstoffpreises wird durch staatliche Abgaben verursacht. Das bedeutet, dass der Bund 2015 rund 5,8 Milliarden Franken oder 7 Prozent der Gesamtsteuern durch den Verkauf von Benzin und Diesel einnahm. Laut Angaben der Erdöl-Vereinigung setzt sich der Preis für einen Liter Bleifrei 95 in der Schweiz wie folgt zusammen: 61 Prozent für Steuern und Abgaben, 28 Prozent für Einkauf und Fracht. 11 Prozent beträgt die Handelsspanne.

Benzin tanken oder Kaffee trinken

Am günstigsten ist das Tanken im Chaos-Staat Venezuela, wo Präsident Nicolas Maduro zwar kürzlich die Preise um 6000 Prozent anhob. Doch eine Tankfüllung ist immer noch günstiger als eine Tasse Kaffee. Ebenfalls deutlich unter 50 Rappen kostet der Liter in den Ölförderländern Kuwait, Saudi Arabien und Iran.

Viel erfreulicher aus der Sicht von hiesigen Auto- und Töfffahrern ist hingegen der Vergleich mit dem durchschnittlichen Einkommen. Bloomberg geht von einem täglichen Salär von 209 Franken aus. Weil in kaum einem anderen Land die Löhne höher sind, steht die Schweiz in Bezug auf Erschwinglichkeit auf Platz sieben. Geschlagen nur von den Arabischen Emiraten, Saudi Arabien, Luxemburg, USA, Kuwait und Venezuela (siehe Grafik unten).

Die Weltkarte der Benzinpreise, zur interaktiven Version gehts hier (Quelle: Bloomberg)

Bei einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 468 Litern gibt der Schweizer bloss 0,87 Prozent seines Gehalts für Treibstoff aus. Noch mehr Sparpotenzial liegt drin, wenn bewusst nach den günstigsten Tankstellen Ausschau gehalten wird. Bei Tanktipp.ch wird beispielsweise der tiefste Benzinpreis mit 1,20 Franken angegeben, zu finden in Samnaun. Dem gegenüber steht die teuerste Tankstelle der Schweiz: 1,47 Franken wird in der Waadtländer Gemeinde Bussigny verlangt.

Vor ein paar Monaten waren die Schweizer Preise noch tiefer. Analog zu den ansteigenden Preisen für Rohöl haben sich aber auch die Benzinpreise von ihren mehrjährigen Tiefstständen gelöst, wie der untenstehende Chart zeigt.

Bleifrei 95 Monatsmittel, Quelle: erdoel.ch