«Die Schweiz sollte der EU fernbleiben»

Nadine Stüber ist Studentin der Wirtschaftschemie. Die Schweiz sollte nicht der EU beitreten, aber die Bilateralen unbedingt weiterführen, sagt sie. Teil IV der cash-Interviewserie mit jungen Frauen in der Schweiz.
18.12.2014 01:00
Interview: Daniel Hügli
Nadine Stüber lebte über die Hälfte ihres Lebens in Asien.
Nadine Stüber lebte über die Hälfte ihres Lebens in Asien.
Bild: ZVG

Bis Ende dieser Woche veröffentlicht cash jeden Tag ein Interview mit jungen Frauen in der Schweiz. Heute: Nadine Stüber (21). Sie studiert an der Universität Zürich Wirtschaftschemie. Wegen beruflicher Verpflichtungen ihres Vaters wohnte Nadine Stüber 11 Jahre in Asien. Mit 19 Jahren absolvierte sie Sprachaufenthalte in Peru und in Frankreich.

cash: Frau Stüber, Sie studieren Wirtschaftschemie an der Uni Zürich. Was muss man sich darunter vorstellen?

Nadine Stüber: Wirtschaftschemie ist ein eher neuer und noch unbekannter Studiengang, der viele Möglichkeiten bietet. Auf Bachelor-Stufe besucht man hauptsächlich Chemievorlesungen und einige Wirtschaftsvorlesungen. Im Master-Studium wird das chemische Wissen dann spezifisch auf die Wirtschaft fokussiert. Somit verfügt man in einem Unternehmen über Chemie-Wissen in einer leitenden Position, ohne dass man in einem Labor tätig ist.    
 
War für Sie immer klar, dass Sie studieren wollen?

Als ich noch in der Schweiz wohnte, war mir klar, dass ich die Matur machen wollte. Über die Uni machte ich mir jedoch noch keine Gedanken. Als ich in der 5. Klasse war, zog unsere Familie nach Shanghai, wo ich eine englische Schule besuchte. Da gab es nur noch die Möglichkeit, die Schule zu besuchen, da es im englischen System keine Lehrabschlüsse gibt.
 
Sie sind 1993 geboren, lebten von 1994 bis 1998 in Kuala Lumpur, dann wieder sieben Jahre in der Schweiz und von 2005 bis 2012 in Shanghai. Weshalb diese Wechsel? 

Mein Vater arbeitet in der Textilbranche, was dazu führte, dass er nach Asien versetzt wurde.
 
Was haben Ihnen diese Auslandaufenthalte gebracht?

Durch die Auslandaufenthalte habe ich nicht nur viele Sprachen gelernt, sondern habe auch, bedingt durch meinen internationalen Freundeskreis, sehr viel über verschiedene Bräuche und Kulturen gelernt. Dies hat mich sehr unkompliziert und offen für Neues gemacht.
 
Hatten Sie kein Heimweh während der Zeit im Ausland?

Als mir meine Eltern gesagt haben, dass wir nach Shanghai ziehen würden, war ich sehr erfreut, da ich schon immer sehr von China fasziniert war. Die ersten drei Monate waren jedoch sehr schwer, da ich nur wenig Englisch sprach. Ich freute mich dann recht schnell mit meinen Klassenkameraden an. Danach hatte ich nie mehr Heimweh, da Shanghai zu meinem neuen Zuhause wurde.   
 
Sie lernten in Shanghai auch bewusst Chinesisch. Aus welchem Grund?

An meiner Schule hatten alle Schüler bis zur 9. Klasse fünf Lektionen Mandarin pro Woche. Danach lernte ich die Sprache bewusst weiter, da ich es sehr wichtig finde, in dem Land die Sprache zu können, in welchem man lebt. Dies macht das Leben einfacher, und Leute behandeln einem ganz anders, wenn man ihre Sprache redet. Weil nicht viele Ausländer des Chinesischen mächtig sind, freut es Chinesen immer, wenn ein Nicht-Chinese ihre Sprache redet. Auch wenn es nur Brocken sind.
 
Was haben Sie für einen Berufswunsch? Und wie sehen Ihre Zukunftsvorstellungen generell aus?

Im Moment habe ich noch keine konkreten Berufswünsche. Mich interessieren die Pharmazie und die Lebensmittelbranche. Wichtig ist mir, dass ich weiterhin in einem internationalen Umfeld arbeiten kann. Ich würde auch gerne einem Beruf nachgehen, der es mir erlaubt zu reisen oder wieder im Ausland zu wohnen.
 
Was nervt Sie am meisten in der Schweiz?

Dass viele Leute sehr schnell gereizt sind wegen einer Kleinigkeit. Wie zum Beispiel ein verspäteter Zug oder ein überfülltes Tram.  
 
Und was finden Sie super in der Schweiz?

Ich finde es super, dass man in allen grossen Städten der Schweiz, die einen See oder Fluss haben, schwimmen kann. Dies ist ein Luxus, den es in vielen europäischen Ländern nicht gibt.  
 
Was halten Sie von Frauenquoten wie zum Beispiel die geplanten minimum 30 Prozent Frauen in Führungsgremien der grossen börsenkotierten Gesellschaften der Schweiz ab 2020?

Persönlich halte ich nicht sehr viel von der geplanten Frauenquote, da ich es nicht für richtig halte, dass die Anzahl Frauen in Führungsgremien künstlich angehoben werden soll. Ich selbst würde keine Führungsposition bekommen wollen, nur weil ein Unternehmen seine Quote decken muss. Daher hallte ich es für besser, Frauen so zu fördern, dass es ihnen die Option gibt, eine Karriere zu haben sowie auch ein gesundes Familienleben.
 
Wie soll die Schweiz ihr künftiges Verhältnis zur EU gestalten: EU-Beitritt, Weiterführung der bilateralen Verträge oder die Kündigung dieser Verträge?

Ich glaube nicht, dass die Schweiz der EU beitreten sollte. Dennoch ist es sehr wichtig, dass sie die bilateralen Verträge weiterführen kann. Das ist nicht nur wirtschaftlich sehr wichtig, sondern auch für die Forschung und die Universitäten.
 
Wie verbringen Sie die Festtage?

Weihnachten verbringe ich mit meiner Familie und Bekannten in Zürich, beim Fondue-Chinoise essen.