Eine Wette auf Kubas Freiheit

Kuba und die USA läuten eine neue Ära ihrer diplomatischen Beziehungen ein. Zusätzlich vereinfacht die Karibikinsel ausländische Investitionen. Anleger können auf verschiedene Art und Weise am Aufschwung teilnehmen.
21.07.2015 01:01
Von Ivo Ruch
Kuba hat enormes touristisches Potenzial.
Kuba hat enormes touristisches Potenzial.
Bild: iNg

Es herrscht Tauwetter in der Karibik. Rund 54 Jahre nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen haben die USA und Kuba am Montag mit der Wiedereröffnung von Botschaften eine neue Ära eingeläutet. Damit geht eine Eiszeit zwischen den beiden Staaten zu Ende. Seit 1961 hatten die USA ein Handels-, Wirtschafts- und Finanzembargo aufrechterhalten. Dieses soll nun schrittweise wegfallen.

Diese Annäherung dürfte nicht nur der kubanischen Bevölkerung lange ersehnte Erleichterungen bringen. Sie birgt auch unternehmerische Opportunitäten. Und Anleger können daran partizipieren: mit einer Wette auf Kubas Freiheit.

In gewissen Bereichen ist die Normalisierung bereits bemerkbar. Die Zahl der Touristen beispielsweise hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Auch Schweizer Reisende wollen auf der Karibikinsel noch etwas vom "kommunistischen Charme" erleben. Hotelplan, Globetrotter und Kuoni bestätigten im Mai gegenüber cash zweistellige Zuwachsraten bei Kuba-Buchungen. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres haben 1,7 Millionen Touristen Kuba besucht – 15 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.

Profiteure von zukünftigem Wachstum

Davon kommt nur ein kleiner Teil aus den USA, was sich aber bald ändern dürfte. Denn amerikanische Tourismus-Unternehmen setzen auf eine Zunahme des Kuba-Fiebers. So das Kreuzfahrt-Unternehmen Carnival, das bereits die Bewilligung hat, ab nächstem Jahr Kuba anzusteuern. Und die Billig-Airline Jetblue Airways bietet neu einmal pro Woche einen Charterflug nach Havanna an. Die Aktien beider Firmen haben in diesem Jahr deutlich an Wert dazugewonnen.

Auf diese und ähnliche Entwicklungen setzt auch ein Tracker-Zertifikat von Leonteq. Es nimmt Bezug auf den "Solactive Cuba-Focused Index", der Firmen vereint, zu deren Aktionsradius Kuba schon jetzt zählt respektive die in Zukunft ihre Aktivitäten auf der Insel verstärken könnten. Dazu gehören Firmen aus verschiedenen Sektoren und unterschiedlichen Ländern wie Royal Caribbean Cruises (Transport), Pricesmart (Konsumartikel), Atlantic Tele-Network (Infrastruktur) oder die erwähnten Jetblue Airways. Aus dem jeweiligen Wirtschaftszweig sind das "die Gesellschaften mit den höchsten Umsätzen in der Karibik", wie Leonteq in einer Investment-Notiz schreibt.

Zu neuem Leben erweckt wurde kürzlich auch der Herzfeld Caribbean Basin Fund. Der geschlossene Fonds ist seit 1994 am Markt, dümpelte in der Vergangenheit aber vor sich hin. Im letzten Dezember kam dann Bewegung in die Anlage, der Wert verdoppelte sich. Mittlerweile steht der Wert 13 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Rum, Zigarren und Uber

Für Tabak und Rum ist Kuba schon lange bekannt. Doch die wirtschaftliche Öffnung könnte Kubas Exporte befeuern. Zu den Nutzniessern dürfte dann unter anderem Pernod gehören. Der französische Alkoholriese ist bereits an Havana Club beteiligt, Kubas beliebtestem Rum.

Auch der Basler Tabakkonzern Davidoff steht vor einer Rückkehr ins Zigarren-Land Kuba. Dies nachdem sich der Konzern 1989 wegen Qualitätsproblemen und Beschränkungen auf dem US-Zigarrenmarkt aus Kuba zurückgezogen hatte. Allerdings könnte das noch einige Jahre dauern, wie Davidoff-CEO Hans-Kristian Hoejsgaard kürzlich gegenüber cash sagte.

Kuba treibt den Wirtschaftsaufschwung auch mit Reformen von innen an. Schon vor einem Jahr verabschiedete das Parlament den Umbau eines Investitionsgesetzes, das ausländische Geldgeber einlädt, in die heimische Wirtschaft zu investieren. Impulse, die dringend nötig sind. Denn Kubas Bruttoinlandsprodukt wächst nur schleppend und noch immer sind Staatsunternehmen für die meisten Jobs verantwortlich. Auch hier deuten sich erste Veränderungen an: Über Airbnb werden bereits Zimmer und Wohnungen angeboten und auch der kalifornische Taxidienst Uber soll seine Fühler ausstrecken.