Elektronische Angriffe - Die grössten Sicherheitsfallen im digitalen Alltag

Die Digitalisierung macht das Leben in vielerlei Hinsicht angenehmer und bequemer. Leider nehmen dadurch auch betrügerische Aktivitäten zu. Wie Sie sich vor den grössten Gefahren im digitalen Alltag schützen.
15.08.2017 06:44
Von Ivo Ruch
Mit der Digitalisierung ist Computersicherheit zum grossen Thema geworden.
Mit der Digitalisierung ist Computersicherheit zum grossen Thema geworden.
Bild: pixabay.com

Die digitale Welt ist verletzlich. Wie gross das Schadenpotenzial sein kann, zeigte sich gerade jüngst beim Ausfall des Informatikdiensts der British Airways. Eine Computer-Panne legte den gesamten Flugbetrieb während Stunden lahm. Schaden: Fast 100 Millionen Franken.

Neben Firmen werden auch Privatpersonen immer häufiger mit den Gefahren ihrer digitalen Privatsphäre konfrontiert. Computer und Smartphones zu beliebten Zielen von Hackern. Die Ziele der Kriminellen: Entweder verlangen sie von den Opfern ein Lösegeld für die persönlichen Daten. Oder sie verkaufen diese - zum Beispiel Kreditkarten-Informationen - im Darknet, einem anonymen Teil des Internets. Bei folgenden digitalen Alltagsaktivitäten gilt besondere Vorsicht:

E-Banking

Der Mensch ist die grösste Schwachstelle: Das ist die einhellige Expertenmeinung bei der Beurteilung von Gefahren beim E-Banking. Denn die Schweizer Banken bieten grundsätzlich sichere Systeme zur Abwicklung von Finanzgeschäften an. Weil aber die Bankkunden immer wieder sorglos mit ihren persönlichen Daten umgehen, sind sie beliebte Ziele von Hacker-Angriffen. Beispiele solcher Attacken sind gefälschte Mails oder Aufforderungen zur Installation von Apps, hinter denen sich Erpressungssoftware verbirgt. Erkennen Sie falsche Mails? Machen Sie folgenden Selbsttest.

Banken müssen ihre digitale Infrastruktur laufend aktuellen Herausforderungen anpassen, sonst kommt es zu unliebsamen Überraschungen. Postfinance zum Beispiel macht immer wieder Schlagzeilen wegen Störungen bei ihren Online-Diensten. Beim jüngsten Fall teilte die Post mit: "Die Ursache der Störung war eine sogenannte Fehlkonfiguration am Core-Netzwerk". An einen Hackerangriff glaubte sie nicht. Erfolgreiche Angriffe auf Banken würden von diesem aber wohl unter dem Deckel gehalten, um die Kunden nicht zu verunsichern.

Tipps: Grundsätzlich sollten Computerbenutzer ihre Daten regelmässig mit einem Backup sichern. Halten Sie zudem die Computersoftware auf dem neusten Stand und aktivieren Sie die Firewall. Auch ein aktuelles Virenschutzprogramm gehört zur Standardausstattung. In Bezug aufs E-Banking: Achten Sie in der Browser-Adresszeile immer auf "https" und ein Schloss-Symbol. Nach dem E-Banking sollte man sich über entsprechende Schaltflächen abmelden oder ausloggen. Zudem ist es empfehlenswert, den Browser-Speicher regelmässig zu leeren.

Smartphone

Mit den Smartphones haben grosse Teile der Bevölkerung das Internet ständig in der Hosentasche - und damit auch mögliche Gefahren aus dem Netz. Handys gehören zu den beliebtesten Angriffszielen, weil diese Geräte in punkto Sicherheit gerne vernachlässigt werden.

Ein Beispiel ist offenes unverschlüsseltes WLAN. Wer nicht aufpasst, verbindet sich unbewusst mit einem solchen Netzwerk. Wird das WLAN entsprechend manipuliert, können andere Teilnehmer an die Daten eines Handys gelangen. Dazu gehören E-Mails, Passwörter oder Fotos. Beim E-Banking übers Handy (Mobile Banking) raten viele Sicherheitsexperten zu zusätzlicher Vorsicht. Erfolgt das Login über einen SMS-Code fehlt der Sicherheitsvorteil von zwei unabhängigen Kommunikationskanälen.

Tipps: Installieren Sie nur Apps, die Sie wirklich benötigen und die aus seriöser Quelle stammen. Schalten Sie zudem die Verbindungen mit WLAN und Bluetooth aus, wenn sie nicht gebraucht werden. Daneben gelten dieselben Vorsichtsmassnahmen wie mit dem PC zu Hause. Beim Mobile Banking: Wer unaufgefordert einen SMS-Bestätigungscode erhält oder beim Login ins E-Banking Unregelmässigkeiten beobachtet, soll sich direkt bei der Bank melden.

Kontaktlos Bezahlen

Die Mehrheit der Kreditkarten und viele Debitkarten verfügen mittlerweile über einen Mikrochip, der kontaktloses Bezahlen ermöglicht. Der Vorteil: Es reicht das Hinhalten der Karte an ein Bezahlterminal, bis zu einem Betrag von 40 Franken wird nicht einmal die persönliche Geheimzahl verlangt. Im Detailhandel, am Ticketautomat oder im Kaffee ist so schnelleres und genaues Bezahlen möglich. Die Technologie namens NFC (Near Field Communication) wird von der Finanzindustrie stark beworben, zum Beispiel mit der Initiative cashless.ch.

Doch die Sache hat einen Haken: Viele Personen wissen vermutlich nicht, dass sie eine solche NFC-Karte im Portemonnaie haben und wie einfach diese anzugreifen ist. Denn nur schon mit einem kostenlosen App können die ungesicherten Kartendetails abgelesen werden: Kartennummer, Ablaufdatum, Herausgeber und teilweise auch die letzten Transaktionen. Mit diesen Infos sind dann in einigen Online-Shops Einkäufe für unter 40 Franken möglich. Oder die Daten werden von den Angreifern im Darknet verkauft. Dort sind sie laut Experten 20 bis 30 Euro wert.

Tipps: Überprüfen Sie regelmässig die Transaktionen Ihrer Karte auf den monatlichen Auszügen oder im E-Banking. Bei Unstimmigkeiten nehmen Sie Kontakt mit der Bank auf. Diese ist in der Regel kulant. Oder schützen Sie die Karte mit einer entsprechenden Hülle: