Elendsindex 2020 - Die USA stehen wirtschaftlich schlechter da als Russland und Mexiko

Den USA gelingt unter dem Präsident Donald Trump keine Eindämmung der Corona-Epidemie. Dies hat wirtschaftliche Folgen: Im Bloomberg-Elendsindex «verbessert» sich die USA um 25 Ränge.
10.08.2020 11:10
US-Präsident Donald Trump am 6. August 2020 vor dem Weissen Haus.
US-Präsident Donald Trump am 6. August 2020 vor dem Weissen Haus.
Bild: imago images / ZUMA Wire

Der US-Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, dass er für seine Leistung im Bereich der Wirtschaftspolitik oft das Prädikat "the best" verwendet. In einem weniger schmeichelhaften Ranking, dem Bloomberg Elendsindex, "verbessert" sich die USA nun tatsächlich im Rang: Vom 50. auf den 25. Platz. Der Bloomberg Elendsindex verfolgt den Ausblick für Inflation und Arbeitslosigkeit für 60 Volkswirtschaften - je höher die Inflation oder die Arbeitslosigkeit, desto mehr Punkte.

Rangveränderung der wichtigsten Volkswirtschaften im Bloomberg Elendsindex (Quelle: Bloomberg).

Einzig Island, Israel und Panama zeigen eine fast gleich starke Verschlechterung der Wirtschaftslage wie die USA. Klar ist: Die Aussichten fast aller erfassten Volkswirtschaften haben sich wegen der Corona-Krise verschlechtert. Doch der Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA ist im Vergleich zur Eurozone oder zu Grossbritannien schlichtweg viel stärker.

Der Bloomberg Elendsindex vom 27. Juli 2020 (Quelle: Bloomberg).

Venezuela, Argentinien, Südafrika und die Türkei behalten 2020 ihre wenig beneidenswerte Platzierung von 2019 als die vier elendesten Volkswirtschaften der Welt bei. Wobei Venezuela zum sechsten Mal in Folge den Status der schlechtesten Volkswirtschaft der Welt erreicht. Das in Schwierigkeiten geratene südamerikanische Land leidet weiterhin unter stark steigenden Preisen.

Die Türkei kann zwar 2020 ihren Elends-Punktestand verringern. Doch dies ist in diesem Fall eher eine schlechte als gute Nachrichte. Die geringere Nachfrage hat die Inflationserwartungen nach unten gedrückt.

Schweiz neu auf dem vierten Platz

Thailand behauptete hingegen auch dieses Jahr den Titel der "am wenigsten elenden" Volkswirtschaft. Ein Grund hierfür: Die Mehrheit der Thailänder ist im informellen Sektor, daher nicht offiziellen Arbeitsverhältnissen, beschäftigt. Bei Arbeitsverlust taucht dies nicht in der Statistik auf.

Daher ist die Rangbehauptung Thailands weniger bemerkenswert als Taiwans Verbesserung auf Platz 6 oder Singapurs Aufholjagd auf Platz 2. Die Schweiz kann hingegen ihren zweiten Platz unter den "am wenigsten elenden" Volkswirtschaften nicht verteidigen. Sie ist neu auf der vierten Position vorzufinden.

In China, wo das Coronavirus im Januar und Februar die Wirtschaft zum erliegen brachte, werden die Arbeitslosen- und Inflationsdaten für 2020 voraussichtlich nur geringfügig beeinflusst. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt verbessert sich um sieben Plätze auf Platz 44.

Der Bloomberg Elendsindex existiert seit sechs Jahren. Er basiert auf dem uralten Konzept, das eine niedrige Inflation und Arbeitslosigkeit zeigen, wie gut sich die Einwohner eines Landes fühlen. Die diesjährigen Ergebnisse basieren auf Bloomberg-Umfragen zu Schätzungen der Wirtschaftswissenschaftler für das Preiswachstum und die Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 in jeder Volkswirtschaft. Diese Werte werden mit den tatsächlichen Daten des letzten Jahres verglichen. Der Index enthält Länder, für die Bloomberg ausreichende Wirtschaftsprognosen hat.