Erwarteter Zinsanstieg - Investoren fürchten sich vor Ende des EZB-Kaufprogramms

Die Europäische Zentralbank ist wohl noch weit davon entfernt, aus ihrem Anleihenkaufprogramm auszusteigen, aber einige Anleger sind bereits voller Angst.
22.02.2018 19:50
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank.
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank.
Bild: Bloomberg

Finnlands grösster Pensionsfonds für den Privatsektor sagt, er werde die Anleihen nicht anfassen, wenn die EZB beginnt, ihre quantitative Lockerung (QE) umzukehren, und voraussichtlich Bonds verkaufen wird.

Nach Einschätzung von Mikko Mursula, Chief Investment Officer der Ilmarinen Mutual Pension Insurance Co., ist das Unbehagen wegen der Aussicht, dass die grossen Zentralbanken aus ihren QE-Programmen aussteigen, einer der Gründe, weshalb die Volatilität Anfang Februar plötzlich stark anstieg.

"Da haben noch viel mehr Anleger Angst", sagt Mursula in einem Interview mit Bloomberg in Helsinki. "Auf welche Art und Weise kommt die EZB aus dieser Situation heraus? Wer wäre der Käufer, wenn sie sich irgendwann dazu entschliessen würden, Papiere aus ihrer Bilanz zu verkaufen? Ich kann mir nicht vorstellen, wer der Käufer sein würde. Es ist kaum denkbar, dass wir auf diesen Niveaus ein Käufer sein würden."

Derzeit kauft die EZB immer noch Anleihen. Doch die geldpolitischen Entscheidungsträger sind dabei, einen Weg zurück zu normaleren monetären Bedingungen zu planen. Der erste Schritt wäre, den Kauf von Anleihen einzustellen, was laut EZB von den Konjunkturdaten abhängen wird. Einige EZB-Mitglieder haben vorgeschlagen, dass dies Ende des Jahres geschehen sollte. Es gibt jedoch kein Signal von der Zentralbank, zu welchem Zeitpunkt sie versuchen könnte, die Anleihen in ihrer Bilanz wieder an den Markt zurück zu verkaufen.

Mangel an Käufern befürchtet

Reima Rytsola, Chief Investment Officer der Varma Mutual Pension Insurance, Finnlands zweitgrösstem Pensionsfonds für den privaten Sektor sagt, die EZB werde Schwierigkeiten haben, Käufer zu den aktuellen Preisen zu finden.

"Wenn die EZB zu diesen Zinsen verkaufen würde, wäre das Problem der Mangel an Käufern", sagte er telefonisch gegenüber Bloomberg.

"Diejenigen, die im Rahmen der Solvency II Aktiv- und Passivregulierung von Versicherungsgesellschaften langfristige europäische Anleihen gekauft haben - und wir zählen nicht dazu - haben einen Mechanismus, bei dem es, wenn die Zinsen steigen, keinen Sinn macht, zu kaufen", fügt Rytsola an.

"Es ist eine Art prozyklischer Regulierung aus Sicht der Bondmärkte", sagt er. "Es gibt viele Käufer, wenn die Zinsen sinken - was die Zinsen noch weiter nach unten treibt. Und wenn es in die entgegengesetzte Richtung geht, verschwinden die Käufer, weil sie nicht so viel kaufen müssen. Der Abzinsungssatz für die Verbindlichkeiten steigt ständig."

(Bloomberg)