Euro-Franken-Kurs über 1,11 - Was steckt hinter dem Euro-Höhenflug?

Der Euro wird zum Franken stärker. Inzwischen wurde im Wechselverhältnis die Marke von 1,11 überschritten. Weshalb Anleger von der europäischen Gemeinschaftwährung derzeit so angetan sind.
26.07.2017 13:45
Von Marc Forster
Euro-Münzen auf einem Haufen.
Euro-Münzen auf einem Haufen.
Bild: Pixabay

Einige Prognosen zum Euro-Franken-Wechselkurs wurden vor kurzem noch skeptisch gesehen: Die Vorhersage der UBS etwa, dass in den nächsten Monaten ein Tauschverhältnis von 1,16 erreicht wird. Aber langsam nähert sich die Realität dieser Marke: Der Interbanken-Kurs für die beiden Währungen befindet sich bereits bei 1,1172. Das Tageshöchst lag gar bei 1,1176.

Der Euro ist in den vergangenen Woche zum Franken konstant stärker geworden, wie die Grafik zeigt.

Der Euro-Franken-Kurs seit Anfang Juni (Quelle: www.cash.ch).

Der Optimismus für den Euro ist am Markt im Moment sehr gross. Nach der Wahl des Reformers Emmanuel Macron zum Präsidenten Frankreichs und den guten Umfrageergebnissen der EU-"Stabilitätsgarantin" Angela Merkel für die kommenden deutschen Wahlen gilt die Wahrscheinlichkeit von vom Markt unerwünschten poltischen Entwicklungen als reduziert. Dazu kommt, dass seit einigen Wochen viel offener über eine langsame Straffung der Frankfurter Geldpolitik gesprochen wird. Auch aus dem Innern der Europäischen Zentralbank werden jetzt Überlegungen laut, die Zinsen in der Euro-Zone langsam anzuheben.

Die Märkte sind euphorisch: "Mittlerweile ist daraus fast schon ein Selbstläufer geworden: Mit dem Bruch wichtiger markttechnischer Widerstände kommt es immer wieder zu Anschlusskäufen", schreibt die Liechtensteiner VP-Bank in einem Kommentar zum Euro-Dollar-Kurs. Wenn der Euro zum Dollar stärker wird, begünstigt dies in aller Regel auch die Abschwächung des Frankens zum Euro - eine Entwicklung, die von der Nationalbank im Interesse des Schweizer Exports nach wie vor gewünscht wird.

Spekulationen um Jordan-Aussage

Am Markt verweisen Händler auch auf ein Interview mit Thomas Jordan mit der Zeitung "Le Temps". Darin hatte der Direktionspräsident der Nationalbank den Franken als nach wie vor überbewertet bezeichnet. Dies habe nun Spekulationen ausgelöst, dass die aktuelle Frankenschwäche womöglich künstlich verstärkt werden könnte. Die Kursentwicklung von heute Morgen zeigt auch einen auffälligen Anstieg des Euros kurz vor Mittag. Solche Muster im Kursverlauf wurden früher schon mit Devisenkäufen der Nationalbank in Verbindung gebracht.

Auch andere gute Nachrichten nähren die positive Haltung der Märkte zum Euro. So konnte Griechenland gestern eine fünfjährige Staatsanleihe platzieren. Mit einer Rendite von 4,625 Prozent kommt das Kapitalmarktgeschäft für Athen wohl günstiger zustande als zunächst angenommen worden ist. In Deutschland wiederum kletterte das Konjunkturbarometer des Ifo-Index auf 116 Punkte. Damit ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft derzeit so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

(mit Material der Nachrichtenagentur AWP)