«Fachkräftemangel bremst Digitalisierung in der Schweiz»

Die Commerzbank gibt der Schweiz gute Noten in Sachen Digitalisierung. Mit dem Fachkräftemangel drohen den Schweizer Unternehmen aber auch Probleme.
14.11.2016 15:28
Von Marc Forster
Marc Steinkat, CEO Commerzbank Schweiz.
Bild: cash

Bei 42 Prozent der Schweizer Unternehmen spielt die Digitalisierung nicht nur zur Optimierung und Kostensenkung, sondern auch auch als Teil des Geschäftsmodells eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Commerzbank, die bei 200 Deutschschweizer Firmen durchgeführt wurde. Für die deutsche Grossbank, die neben ihren Investmentbank-Tätigkeiten in der Schweiz seit vier Jahren auch im Firmenkundengeschäft aktiv ist, gibt die Schweiz damit ein gutes Bild ab.

"Wir haben geschaut, wie die Mitarbeiter und die Kunden abgeholt werden: Hier ist klar zu sehen, dass die Schweiz Innovatoren und Innovation in Unternehmen hineinbringt", sagt Marc Steinkat, CEO der Commerzbank Schweiz, im cash-Video-Interview. Im Vergleich zu europäischen Ländern sei die Schweiz führend. Zum Vergleich: Bei deutsche Mittelstands-Unternehmen setzten nur 27 Prozent der Firmen auf die Digitalisierung, um neue Produkte zu lancieren oder neue Absatzwegen und Märkte zu erschliessen.

Global gesehen sei aber die USA immer noch in einer absoluten Vormachtsposition. "Die Amerikaner sind wesentlich weiter, hier braucht es noch einen grossen Schritt, um mit ihnen gleichzuziehen." Die Schweizer Unternehmen setzten vor allem wegen der hohen Produktionskosten auf die Digitalisierung. Wegen der hohen Löhne, wie sie in der Schweiz üblich sind, ist dies auch Steinkats Sicht logisch. Der Wettbewerbsdruck dränge die Unternehmen aber aus verschiedenen Gründen mehr Digitalisierung: "Ein Grund ist auch der starke Wettbewerb aufgrund des Frankens", sagt Steinkat.

Ein grösseres Problem aber sieht Steinkat derzeit aber beim Fachkräftemangel. Dieser drohe gar, die europäische Vorreiterrolle der Schweiz in der Digitalisierung zu bremsen. 48 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, dass sie sich deswegen in der Geschäftsentwicklung behindert sähen.

71 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie für die Weiterentwicklung ihrer Tätigkeiten neue Mitarbeiter anstellen. Die Hälfte der Mitarbeiter, die für im Umfeld der Digitalisierungsbestrebungen der Firmen neu angestellt werden, kommen aus dem Ausland.

Wie sich der derzeit geplante "Inländervorrang light" als Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative auf das Thema Fachkräftemangel auswirken wird, lässt sich laut der Commerzbank Schweiz noch nicht genau abschätzen.

Im cash-Video-Interview äussert sich Marc Steinkat auch zu den Initiantiven, welche die Commerzbank in der Digitalisierung vorantreibt. Die Frankfurter Grossbank will bis 2020 rund 80 Prozent der Prozesse digitalisieren.