Fed-Sorge - Finanzkrise hat US-Mittelschicht nachhaltig geschwächt

In den USA hat sich die Mittelschicht nach Einschätzung der Notenbank Fed noch nicht von den Folgen der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren erholt.
10.05.2019 19:05
«Eine Herausforderung für das Wohlergehen und die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Gesellschaft»: Fed-Direktorin Lael Brainard.
«Eine Herausforderung für das Wohlergehen und die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Gesellschaft»: Fed-Direktorin Lael Brainard.
Bild: Bloomberg

Die Fed sei darüber zunehmend in Sorge, sagte Fed-Direktorin Lael Brainard am Freitag auf einer Konferenz der Notenbank. Sie verwies eine schleppende Entwicklung beim Lohnwachstum und bei der Bildung von Wohneigentum. Brainard beklagte zudem eine wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft. Vielen Familien aus der Mittelschicht falle es angesichts steigender Wohn- und Bildungskosten schwer, ihre laufenden Ausgaben zu bestreiten oder gar Vermögen aufzubauen.

Familien aus der Mitte der Einkommenspyramide verfügten laut Fed-Daten Ende 2018 - dem Jahr der grossen Steuerreform von US-Präsident Donald Trump - über ein Durchschnittsvermögen von rund 340'000 Dollar. Dies ist weniger als vor der Finanzkrise von 2007 bis 2009 und 13-mal weniger als das, was die wohlhabenden 10 Prozent an der Spitze der Pyramide auf der hohen Kante haben. Dort sind es im Durchschnitt 4,5 Millionen Dollar. 

Fed-Direktorin Brainard warnte, die Vermögensverschiebung weg von der Mittelschicht und hin zu den Reichsten sei eine Herausforderung für das "Wohlergehen und die Widerstandsfähigkeit" der amerikanischen Gesellschaft. Der Kongress hatte im Dezember 2017 grünes Licht für die grösste Steuerreform seit Jahrzehnten gegeben. Trump nannte sie sogar "die grösste Steuersenkung und Reform in der Geschichte der USA". Kritiker werfen ihm allerdings vor, es profitierten vor allem Reiche und Konzerne. Die grossen US-Unternehmen hatten sie vielfach zu Aktienrückkäufen genutzt.

(Reuters)