Geldpolitik - Die Fed treibt im Boom Pläne für ein Herunterfahren der Konjunkturhilfe voran

Mit dem Boom nach der Corona-Krise rücken in der US-Notenbank Fed konkrete Pläne zum Herunterfahren der Konjunkturhilfen in den Fokus.
25.07.2021 11:00
Emblem der Federal Reserve,
Emblem der Federal Reserve,
Bild: imago images / agefotostock

Fed-Chef Jerome Powell hat vor dem Kongress jüngst angekündigt, dass dieses Thema Ende Juli auf der Sitzung des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) auf den Tisch kommt. Der geldpolitisch lockere Kurs der Zentralbank wird angesichts kräftig anziehender Inflation und des Aufschwungs zusehends kritisch hinterfragt. Das billige Geld könnte die Gefahr von Blasen an den Börsen und am Immobilienmarkt befördern, warnen Kritiker.

Powell argumentiert jedoch, dass der von der Krise verursachte Jobabbau noch lange nicht wettgemacht und die Zeit für niedriger dosierte Konjunkturspritzen somit noch lange nicht gekommen sei. "Allerdings dürfte die Fed die Vorbereitungen vorantreiben und möglicherweise einige entsprechende Überlegungen präsentieren", so Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner mit Blick auf den Zinsentscheid am Mittwoch.

Die US-Notenbank unterstützt die von der Corona-Krise 2020 hart getroffene Wirtschaft noch immer mit monatlichen Wertpapierkäufen in Höhe von 120 Milliarden Dollar. Sie will daran so lange festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Das aus Rücksicht auf die Finanzmärkte von langer Hand zu planende Abschmelzen der Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren ist im Fachjargon als "Tapering" bekannt. Es ist ein heißes Eisen, an dem sich 2013 der einstige Fed-Chef Ben Bernanke durch offenbar unbedachte Äußerungen die Finger verbrannte. Die Börsen reagierten mit einer Art Wutanfall - dem sogenannten "Taper Tantrum".

«Fed traut sich nicht»

Laut der Chefin des Fed-Bezirks San Francisco, Mary Daly, könnte die Fed das Abschmelzen Ende des Jahres oder Anfang 2022 angehen. Auch wenn am Arbeitsmarkt noch nicht von einem Boom die Rede sein kann, ist für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frühjahr "ein enormer Zuwachs zu erwarten", so Ökonom Manuel Andersch von der BayernLB. Er rechnet für die am Donnerstag anstehenden BIP-Daten für das zweiten Quartal mit einem auf das Jahr hochgerechneten Plus von 8,7 Prozent.

Die Kehrseite des Booms ist jedoch eine hohe Teuerungsrate: Die Verbraucherpreise waren im Juni überraschend kräftig um 5,4 Prozent in die Höhe geschnellt und hatten Spekulationen auf eine vorzeitige Zinswende genährt. Die Währungshüter signalisierten im Frühjahr allerdings ein Festhalten an der ultra-niedrigen Zinsspanne von derzeit null bis 0,25 Prozent bis ins Jahr 2023 hinein.

Auch die erhöhte Inflation kann die Fed vorerst nicht aus der Reserve locken: Solange sie sich als vorübergehend erweise, verbiete sich eine Reaktion darauf, stellte Powell jüngst klar. Und der Preisauftrieb werde in den kommenden Monaten ohnehin wohl nachlassen. "Doch der Inflationsdruck sorgte vermehrt für Meinungsverschiedenheiten im FOMC und wird auch auf der Tagesordnung der kommenden Fed-Sitzung ganz oben stehen", meint Volkswirt Andersch. Ein konkreter Fingerzeig, wann genau die Anleihekäufe reduziert würden, sei aber noch nicht zu erwarten. Die Fed werde ihre Haltung bekräftigen, dass die Teuerung durch Basiseffekte und Nachwirkungen der Krise wie etwa Lieferkettenengpässe und Chipmangel getrieben sei.

Die Volkswirte der Helaba verweisen darauf, dass vor einer ersten Anhebung des Leitzinses das "Tapering" angekündigt und umgesetzt sein müsse. "Hier traut sich die Fed offenbar nicht, beherzt zu agieren", so die Ökonomen. Zu stark hingen viele Asset-Preise - etwa von Wohnimmobilien, Anleihen und Aktien - an der Erwartung dauerhaft negativer Realzinsen. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) mahnt ein äußerst behutsames Vorgehen an. Die Fed müsse ihre Überlegungen sorgfältig kommunizieren, um sicherzustellen, dass das "Tapering" geordnet und transparent verlaufe. Nur so könne man "Missverständnisse am Markt" vermeiden. 

(Reuters)