Geldpolitik Europa - EZB will 2020 Sanierung der Bankbilanzen vorantreiben

Die EZB will auch im kommenden Jahr den Abbau fauler Kredite bei den Geldhäusern zu einer ihrer Hauptaufgaben in der Bankenaufsicht machen.
13.10.2019 08:10
Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.
Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Insgesamt sollen die drei Schwerpunkte Bilanzsanierung, Stärkung der Widerstandsfähigkeit sowie der Umgang der Institute mit dem Brexit ganz oben auf der Liste stehen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) diese Woche in Frankfurt mitteilte.

Damit wollen die Kontrolleure erreichen, dass die Institute in der Euro-Zone mit den massgeblichen Gefahren für ihre Geschäfte zurechtkommen. Dazu zählen sie unter anderem die Folgen der sich abzeichnenden Konjunkturabkühlung. Denn damit steigen für die Banken die Kreditrisiken. Zudem trüben sich die Ertragsaussichten ein.

Die EZB will erreichen, dass die Banken ihre Bestände an faulen Krediten weiter verringern und dadurch ihre Bilanzen sanieren. Aus ihrer Sicht ist in der Euro-Zone das Volumen an Problemdarlehen im internationalen Vergleich immer noch zu hoch. Ende des ersten Quartals schleppten die grossen Geldhäuser in der Euro-Zone noch notleidende Kredite im Volumen von 587 Milliarden Euro mit sich herum. Einige Analysten befürchten, dass die schwache Konjunktur den Berg an faulen Krediten wieder anschwellen lässt.

Banken anfälliger für Cyberkriminalität

Zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Banken wollen die Aufseher besonders die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle prüfen. Denn starker Wettbewerb und die Aussicht auf weiterhin sehr niedrige Zinsen belasten die Institute zusehends. "Die Banken müssen ihre Geschäftsmodelle weiter umgestalten, um sie auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen. Das Risiko, eine nachhaltige Profitabilität zu verfehlen, ist nach wie vor erheblich", warnten die Aufseher.

Die Kontrolleure wiesen zudem darauf hin, dass die fortschreitende Digitalisierung der Finanzbranche die Banken anfälliger für Cyberkriminalität mache. Zudem hätten Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zuletzt vermehrt Anlass zur Besorgnis gegeben. Die Beteiligung an Geldwäsche sei ein erhebliches Risiko für Banken und deren Existenzfähigkeit, erklärten die Aufseher.

In den vergangenen Monaten wurden einige kleinere Institute wegen Geldwäsche geschlossen. Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Überwachung der grössten Banken im Währungsraum zuständig.

(Reuters)