Geldpolitik - SNB-Präsident Jordan: «Die Banken spielen jetzt eine entscheidende Rolle»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will mit verschiedenen Massnahmen die Auswirkungen der Coronavirus-Krise dämpfen.
19.03.2020 11:27
Thomas Jordan, Direktoriumspräsident der SNB.
Thomas Jordan, Direktoriumspräsident der SNB.
Bild: ZVG

Zu den Massnahmen gehören verstärkte Interventionen am Devisenmarkt zur Schwächung des Frankens und Schritte, um die Liquiditätslage der Banken zu stärken. Die Zinsen liessen die Währungshüter am Donnerstag indes unverändert. Der SNB-Leitzins beträgt weiterhin minus 0,75 Prozent. Der Strafzins, den Banken für Sichteinlagen bei der Zentralbank ab einem gewissen Freibetrag zahlen müssen, bleibt ebenfalls bei 0,75 Prozent.

"Der Franken ist nochmals höher bewertet, und die globalen Finanzmärkte sind unter starkem Druck", erklärte die SNB. "In dieser ausserordentlichen Situation ist die expansive Geldpolitik der Nationalbank für die Gewährleistung angemessener monetärer Bedingungen in der Schweiz nötiger denn je."

Negativzins und Interventionen seien nötig, um die Attraktivität von Anlagen in Franken zu reduzieren und dem Aufwertungsdruck entgegenzuwirken. Die Landeswährung gilt unter Investoren als sicherer Hafen und gewinnt in unsicheren Zeiten stets an Wert - was Schweizer Waren im Ausland verteuert und somit der exportorientierten Wirtschaft schadet. In der vergangenen Wochen verstärkte die Notenbank ihre Eingriffe zur Schwächung der Landeswährung wohl bereits, wie Daten zu den Sichtguthaben der Banken bei der SNB nahelegen.

"Zinsseitig ist das Ende der Fahnenstange erreicht", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "Das kennen wir bereits von der EZB." Das sei auch gut so. Die SNB stelle auf schwierige wirtschaftliche Zeiten ein. Die Währungshüter sprechen dabei von "ausgeprägten wirtschaftlichen Einbussen". Tatenlos zusehen müsse die SNB aber nicht. "Man muss die Geldpolitik a la Schweiz verstehen: Das Quantitative Easing der Schweiz sind die Devisenmarkt-Interventionen."

Schweizer Finanzsystem mit ausreichend Liquidität versorgt

"Es ist sehr wichtig zu erkennen, dass die Schlüsselmaßnahmen nicht von den Zentralbanken kommen, sondern von der medizinischen und auch von der fiskalischen Seite", sagte Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, an einer Telefonkonferenz mit den Medien. "Wir müssen das Finanzsystem mit genügend Liquidität versorgen, um sicherzustellen, dass der Kreditfluss an die Wirtschaft nicht versiegt - damit die Unternehmen diese sehr schwierige Situation überleben können".

Das Schweizer Finanzsystem sieht die Notenbank ausreichend mit Liquidität versorgt, will bei Bedarf aber zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität ergreifen. Die Banken hätten substanzielle Kapital- und Liquiditätspuffer aufgebaut und seien auch für eine schwierige Wirtschaftslage gerüstet, erklärte die SNB.

"Die Banken spielen jetzt eine entscheidende Rolle", sagte Jordan. Daher greift die SNB ihnen unter die Arme: Ab 1. April sind weniger Sichteinlagen vom Strafzins betroffen. Die SNB erhöhte den Freibetrag auf das 30-fache jener Summe, die die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Bislang lag er beim 25-fachen. Zudem wird geprüft, ob der sogenannte antizyklische Kapitalpuffer trotz Risiken am Hypotheken- und Immobilienmarkt gelockert werden kann.

Die SNB arbeite eng mit der Regierung zusammen, um die Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen, sagte Jordan. Im laufenden Jahr rechnet die Notenbank in der Schweiz nun mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung, nachdem sie im Dezember noch 1,5 bis zwei Prozent Wachstum veranschlagt hatte.

Der Einbruch der internationalen Konjunktur sowie die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie dürften zu einem starken Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten im ersten Halbjahr führen. "Die Normalisierung der Lage ab der zweiten Jahreshälfte könnte daraufhin in einem stark positiven Wachstum im Jahr 2021 zum Ausdruck kommen", erklärten die Währungshüter. 

(Reuters/cash)