Geldpolitik - US-Notenbank Fed nach Machtwechsel in Washington im Wartemodus

In wenigen Tagen befindet die US-Notenbank über den Leitzins. Geplante Konjunkturspritzen der Biden-Regierung entlasten die Fed als Krisenhelferin. Was also hat Fed-Chef Jerome Powell vor?
24.01.2021 12:10
Federal-Reserve-Chef Jerome Powell gibt gegenüber Kongressmitgliedern Auskünfte.
Federal-Reserve-Chef Jerome Powell gibt gegenüber Kongressmitgliedern Auskünfte.
Bild: imago images / MediaPunch

Die US-Notenbank Fed entscheidet nur eine Woche nach der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden über den Leitzins. Trotz Virus-Krise und Arbeitsmarkt-Misere dürften die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch die Füsse still halten.

Sie haben klargemacht, dass sie den Leitzins bis über das Ende der Pandemie hinaus in der Spanne von null bis 0,25 Prozent halten wollen. Zudem sind die massiven Staatsanleihenkäufe im Kampf gegen die Wirtschaftskrise laut Powell praktisch auf Autopilot gestellt. Beobachter gehen davon aus, dass er diesen Kurs nochmals bekräftigen wird, nachdem eine Debatte über den Zeitpunkt des Herunterfahrens der Käufe entbrannt war.

Auf einer Wellenlänge mit Yellen

"Angesichts des vom neuen US-Präsidenten angekündigten zusätzlichen Konjunkturprogramms kann die Fed bei der Bekämpfung der Krise erst einmal zur Seite treten", meint Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner.

Der Fed kommt dabei auch zugute, dass sie voraussichtlich mit der ehemaligen Notenbankchefin Janet Yellen künftig eine Finanzministerin vorfinden wird, die auf einer Wellenlänge mit den Währungshütern liegt. Der vom früheren Präsidenten Donald Trump eingesetzte Vorgänger Steven Mnuchin hatte noch Ende vorigen Jahres mit der Entscheidung für ein Ende von milliardenschweren Corona-Hilfen Kritik der Zentralbank auf sich gezogen.

Mit Yellen dürften sich solche Szenen aller Voraussicht nach nicht wiederholen: Sie hat klargemacht, dass sie bei den Corona-Hilfen klotzen und nicht kleckern will, um eine Rezession abzuwenden. Der neue Präsident hatte jüngst ein 1,9 Billionen Dollar schweres Konjunkturpaket angekündigt - nur wenige Wochen, nachdem ein 900 Milliarden Dollar umfassendes Massnahmenbündel gegen die Krise das Parlament passiert hatte.

«Holpriger Weg bis zum Sommer»

Das jüngst verabschiedete Rettungspaket und die Aussicht auf noch grössere fiskalische Massnahmen könnten den Optimismus der Zentralbanker zwar beflügeln, meint DWS-Volkswirt Christian Scherrmann: "Der Weg hin zu einem glücklichen Sommer der Impfstoffe, fiskalischer Grosszügigkeit und besseren Wetters, welches die Infektionsraten dämpft, könnte jedoch äusserst holprig werden." Die schwächer als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsdaten zum Arbeitsmarkt und Konsum gäben Anlass zur Vorsicht.

Die Notenbank stabilisiert die Wirtschaft und das Finanzsystem bereits mit monatlichen Wertpapierkäufen im Volumen von 120 Milliarden Dollar. Die Käufe sollen solange beibehalten werden, bis "substanzielle weitere Fortschritte" auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind. Entgegen vereinzelter Spekulationen werde die Fed ihre Anleihenkäufe nicht früher als ursprünglich erwartet einschränken, meint Commmerzbank-Experte Weidensteiner. "Denn dies würde die expansive Wirkung der Fiskalmassnahmen dämpfen."

Nicht von ungefähr habe Fed-Chef Powell jüngst davor gewarnt, den Expansionsgrad der Politik zu früh einzuschränken. Powell reagierte damit auf die Diskussion über ein im Fachjargon als "Tapering" bekanntes Zurückfahren der Wertpapierkäufe, die vom Chef des Fed-Bezirks Atlanta, Raphael Bostic, angestossen worden war.

Er hofft, dass das Kaufprogramm "in recht kurzer Zeit" neu justiert werden kann, falls eine erfolgreiche Impfkampagne dem Aufschwung den Weg bereitet. Der US-Währungshüter Patrick Harker warnte hingegen, ein verfrühtes Handeln könne Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen.

(Reuters)