«Glücklicher Abschluss des Stabfunds»

Die Nationalbank verkauft der UBS den Stabfund und erzielt dabei einen hohen Gewinn. Die dank der Liquiditätszufuhr der Nationalbanken rasche Erholung der Märkte ist für das vorzeitige Ende des Funds verantwortlich.
08.11.2013 11:41
Von Daniel Hügli, Zürich
SNB-Präsident Thomas Jordan in einem früheren cash-Interview.
SNB-Präsident Thomas Jordan in einem früheren cash-Interview.
Bild: cash

Die UBS kauft wie erwartet den Stabilisierungsfonds (Stabfund) von der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Von den restlichen 6,5 Milliarden Dollar Eigenkapital des Stabilisierungsfonds gehört die erste Milliarde Franken der SNB. Der Rest des Geldes wird zur Hälfte zwischen der UBS und der Nationalbank aufgeteilt.

Daraus ergibt sich ein Gewinn von 3,762 Milliarden Dollar für die Notenbank. Diese Summe werde das Jahresergebnis 2013 der SNB positiv beeinflussen. Neben dem Gewinn erhielt die SNB noch Zinseinnahmen von 1,6 Milliarden Dollar über die Laufzeit des Darlehens.

"Wir können heute den glücklichen Abschluss der Stabfund-Transaktion mitteilen und den Schlussstrich unter ein sehr herausforderndes Unterfangen ziehen", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan mit sichtlicher Erleichterung am Freitag an einer Medienorientierung in Zürich. "Das Ziel der Übung ist erreicht worden." Jordan amtete seit der Gründung des Hilfsmassnahmen für die UBS auch als Präsident des Stabfunds.

"Insgesamt hat die SNB 5,2 Milliarden Dollar als Risikoentschädigung erhalten", so Jordan weiter. Jordan führte auch aus, dass die Erzielung eines Gewinns nie ein eigenständiges Ziel des Stabfunds gewesen sei. Der Stabfund sei vielmehr ein Beitrag zur Stärkung des Schweizer Finanzsystems gewesen.

Als Gründe für den erfolgreichen Abschluss des Stabfund nannte Jordan die Erholung der Märkte in den USA, was die Bewirtschaftung des Fonds wesentlich erleichtert habe. Die Verantwortlichen hätten den Stabfund sehr diszipliniert geführt und bewirtschaftet. Jordan dankte aber auch der UBS für die Zusammenarbeit. Zentralbanken weltweit, vor allem die US Federal Reserve (Fed), waren und sind dank massiver Liquiditätszufuhr für die Erholung der Märkte verantwortlich. Die SNB kann sich insofern bei der Fed für den Stabfund-Gewinn bedanken.

Hotels mit Schimmel im Portfolio

2008 hatte die Nationalbank die Schrottpapiere der in Schwierigkeiten geratenen UBS im Umfang von 38,7 Milliarden Dollar übernommen. Gleichzeitig stärkte der Bund das Eigenkapital der Grossbank mit 6 Milliarden Franken.

Im Laufe der Zeit wurden die Aktiven des Stabilisierungsfonds abgebaut. Das Darlehen der SNB an den Stabilisierungsfonds ist nun getilgt. Die letzten Positionen wurden über die Sommermonate veräussert. Seither hielt der Fonds praktisch nur noch liquide Mittel. Zum Abbau des Portfolios der UBS-Ramschpapiere hat der Stabilisierungsfonds bei guter Marktlage zügig Aktiva verkauft. Bei Rückschlägen an den Märkten, wie etwa im Jahre 2011, hat er indes mit Verkäufen zugewartet.

Marcel Zimmermann, der zum Start des Stabfund noch verantwortlich für den Gold- und Devisenhandel bei der SNB war und erst später vollamtlicher General Manager beim Stabfund wurde, berichtete an der Pressekonferenz über die Verkaufsaktivitäten des Stabfunds. Insgesamt waren 4800 Positionen aus der UBS in den Stabfund überführt, der grösste Teil davon Wertschriften wie Subprime-Papiere (gebündelte Hypothekar-Wertschriften) oder Kreditausfallversicherungen.

Die SNB übernahm aber auch Direktkredite. Etwa 40'000 Studienkredite im Umfang von mehreren Hundert Millionen Dollar. Aber da waren plötzlich auch Immobilien. Zimmermann berichtete von einem Hotel in Florida, das wegen üblen Schimmelbefalls erst gründlich saniert werden musste, damit man es später verkaufen konnte. Ähnliche Probleme gab es bei einem schicken Apartmentgebäude im Zentrum Chicagos.

Bund bereits 2009 ausgestiegen

Im Portfolio fanden die Stabfund-Manager aber Wertschriften, die mit Flugzeugen oder Triebwerken besichert waren, mit Flughäfen, Mobilfunkantennen oder Shoppingcentern, mit japanischen Bowlingbahnen und englischen Pubs, wie der "Tages-Anzeiger" im letzten Jahr berichtete.

Beim Stabilisierungsfonds haben sich vor allem US-Wertpapiere als lukrativ erwiesen. Dagegen zeigte sich bei den europäischen Aktiva ein negativeres Bild. Schuld sei die europäische Schuldenkrise, die ab 2010 auf den Wert der Positionen gedrückt habe.

Seit der Tilgung des Darlehens hatte die UBS das Recht, den Stabilisierungsfonds zurückzukaufen. Diese Absicht hatte die Grossbank Ende Juli bekräftigt. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die SNB der UBS noch den Rückkauf verweigert, weil die Eigenkapitalsituation der Grossbank belastet hätte.

Der Bund war bereits 2009 wieder aus der UBS ausgestiegen. Die Bundeskasse konnte sich damals über einen Gewinn von 1,2 Milliarden Franken freuen.

(mit Material von AWP)