Hedgefonds - «Buy the Dip»? Wie Starinvestor Carl Icahn bei Hertz in die Falle tappte

Was es heisst, zu früh in einen fallenden Markt einzusteigen, erfährt jetzt ausgerechnet der Milliarden-Investor Carl Icahn.
06.05.2020 11:29
Von Daniel Hügli
Carl Icahn, Milliardär und aktivistischer Investor.
Carl Icahn, Milliardär und aktivistischer Investor.
Bild: Bloomberg

So manche Investoren wollten es während des Börsenabsturzes besser gewusst haben: Sie identifizierten den "richtigen" Einstiegszeitpunkt und glaubten, dass eine Aktie oder die Börse nicht mehr weiter fallen kann. Und sie wurden bestraft, als die gekaufte Aktie dann doch noch 30 Prozent oder mehr tauchte.

Diese Investoren können sich trösten. Denn auch absoluten Profis ist es so ergangen. Carl Icahn zum Beispiel. "Jetzt ist es soweit, dass es einige Unternehmen gibt, die sozusagen nur verschenkt werden. Einige dieser Unternehmen sind schrecklich billig, sie sind sehr billig ", wurde Icahn bei Yahoo Finance zitiert. Icahn schritt zwischen dem 10. und 12. März zur Tat und kaufte laut US-Börsenaufsicht 11,4 Millionen Hertz-Aktien zu Preisen zwischen 7 und 8 Dollar dazu.

Das liess Icahns Beteiligung am Unternehmen auf 38,9 Prozent anwachsen. Schon im Jahr 2014 war Icahn beim Autovermieter eingestiegen, nachdem die Aktie zuvor wegen Bilanz-Unregelmässigkeiten steil abgestürzt war. Laut Bloomberg-Daten kaufte Icahn all seine Hertz-Aktien zu einem Durchschnittpreis von 34,30 Dollar.

Und nun das: Die Hertz-Aktie ist mittlerweile noch 3 Dollar wert. Seit Jahresbeginn liegt der Titel 82 Prozent im Minus.  Schlimmer eigentlich noch: Hertz droht im Zug der Coronakrise die Insolvenz. Den grossen Autovermietern macht vor allem der Lockdown an den Flughäfen zu schaffen. Dort verleihen die Anbieter einen schönen Teil ihrer Flotte an Touristen und Geschäftsleute. Auch das andere Geschäft, günstig eingekaufte Autos nach kurzer Nutzungsdauer möglichst mit Gewinn zu verkaufen, läuft nicht mehr.

Hertz-Investment beschert Icahn ein Déjà-Vu-Erlebnis

Am Montag machten Spekulationen die Runde, wonach sich Hertz für den Bankrott vorbereite und deshalb bald einen Antrag auf Gläubigerschutz laut Chapter 11 stelle. Das "Wall Street Journal" schrieb, Hertz habe einen Experten für die Umstrukturierung angestellt. Schon vor zwei Wochen 10'000 entliess Hertz 10'000 Mitarbeiter im Nordamerika-Geschäft. Damals rentierten Hertz-Obligation 60 Prozent und implizierten damit einen Zahlungsausfall.

Hertz kann in den USA, anders als die Fluggesellschaften und Konkurrent Europcar, nicht auf Staatshilfe hoffen. Das macht die Zukunft des Autovermieters noch ungewisser. Die US-Investoren-Website "Seeking Alpha" empfiehlt bei der Hertz-Aktie ein "Social Distancing".

Das Hertz-Investment beschert Icahn jedenfalls ein Déjà-Vu-Erlebnis. Im Jahr 2004 kaufte er für fast 200 Millionen Dollar Aktien der DVD-Ladenkette Blockbuster zu einem Kurs von etwas über 8 Dollar. Diesselben Aktien musste er knapp sechs Jahre später zum Kurs von 26 Cent verkaufen. Es war laut Icahn sein "schlechtestes Investment". Das Blockbuster-Fiasko könnte nun durch Icahns Hertz-Engagement abgelöst werden.

Dabei hatte Icahn vor etwas mehr als vier Jahren ein Erfolgserlebnis, das ihn in der Investorengemeinde erst recht zum Star machte. Icahn verdiente bei der Wahl von Donald Trump kurzfristig eine Milliarde Dollar - nachdem er gewettet hatte, sich dass sich die Aktienkurse nach dem vorübergehenden Einbruch bei der Trump-Wahl noch am gleichen Tag schnell wieder erholen würden.

 

 

 
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