Helvetia-CEO: «Halten nach Zukäufen Ausschau»

Helvetia setzt die Wachstumsstrategie im Ausland fort und prüft dabei auch Akquisitionen, sagt CEO Stefan Loacker im Video-Interview. Er äussert sich zudem zu Risiken in Euro-Peripherieländern.
11.03.2013 14:05
Von Frédéric Papp
Helvetia-CEO Stefan Loacker.
Bild: cash

Am Montag liess sich die Versicherungsgruppe Helvetia in die Bücher blicken und was man sah, war erfreulich. Der Erstversicherer konnte die Markterwartungen übertreffen. Die Helvetia-Aktie stieg am Montag zwischenzeitlich auf 407,50 Franken – so hoch wie seit Februar 2011 nicht mehr.

Bestätigt wurden auch die Mittelfristziele. So will Helvetia weiterhin über dem Markdurchschnitt wachsen. Dies soll laut CEO Stefan Loacker primär durch organisches Wachstum erreicht werden, aber nicht nur: "Wir sehen Akquisitionen als eine wichtiges Mittel an, um schneller voranzukommen", sagt der Konzernchef im Video-Interview.

Er stellt in Aussicht, dass es in den nächsten Jahren weitere Zukäufe geben könnte. Wobei sich Helvetia bei der Brautschau auf die aktuell betriebenen Ländermärkte konzentrieren wolle, so Loacker. Ausserhalb der Schweiz ist die Gruppe in Italien, Deutschland, Spanien, Österreich und Frankreich überwiegend im Sach- und Haftpflichtversicherungsgeschäft tätig.

Diversifizierung sinnvoll

Die Diversifizierung des Geschäfts in diverse Länder sei, so Loacker, auch aus Schadensüberlegungen heraus sinnvoll. "Selten kommen Winterstürme nach Andalusien und selten hat man den gleichen Hagelzug in Norddeutschland wie in Ostösterreich", sagt der gebürtige Österreicher.

Im Juli des letzten Jahres kaufte Helvetia die französische Transportversicherungsgruppe Gan Eurocourtage für 38,5 Millionen Franken und stieg damit neu zur Nummer zwei im französischen Transportversicherungsmarkt auf. Bisher war die Schweizer Gesellschaft der fünftgrösste Anbieter. Ambitionen auf die Nummer eins hege Loacker noch nicht. "Die Priorität liege auf der Konsolidierung des Geschäfts."

Zur Wachstumsstrategie "Helvetia 2015+" gehört auch die Stärkung der Marktposition in Ländern wie Italien. Zu diesem Zweck hat die Helvetia im November 2012 von der Banco di Desio 51 Prozent an der Nicht-Lebenversicherungsgesellschaft Chiara Assicurazioni übernommen. Der Kaufpreis betrug rund 17 Millionen Euro. Mit der Übernahme der Mehrheitsbeteiligung an Chiara Assicurazioni gewinnt Helvetia auch im Nicht-Lebengeschäft Zugang zum Vertriebsnetz der Banco di Desio sowie ihrer Partnerbanken.

Zur Deckung der versicherungstechnischen Verbindlichkeiten in Ländern wie Italien oder Spanien würden italienische beziehungsweise spanische Staatsanleihen gekauft, so Loacker, der seit 2005 das Zepter bei Helvetia führt. Das Engagement in Kapitalanlagen solcher Länder bringt der Helvetia immer wieder Kritik ein. Es wird befürchtet, dass den Versicherten bei einem Total- oder Teilausfall der Anleihen einen finanziellen Schaden erwächst.

 

Im Video-Interview sagt Loacker, weshalb Schweizer Kunden keine Bedenken wegen des Engagements in spanische oder italienische Staatsanleihen haben müssen.