Immobilien - Wohnungsmarkt-Blasen weltweit senden Warnzeichen aus

Mit dem globalen Trend zur strafferen Geldpolitik zeichnet sich nebst den bisherigen Problemen wie Inflation oder Börsen-Absturz eine weitere Bedrohung ab: ein Ende des weltweiten Immobilienbooms.
22.06.2022 21:00
Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland. Ihrem Land droht eine Immobilienkrise.
Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland. Ihrem Land droht eine Immobilienkrise.
Bild: imago images / Xinhua

Während die Weltwirtschaft mit ausufernden Konsumentenpreisen, Börsenturbulenzen und den Auswirkungen von Moskaus Krieg in der Ukraine zu kämpfen hat, zeichnet sich eine weitere Bedrohung ab: ein Ende des weltweiten, massiven Immobilienbooms.

Mit dem globalen Trend zur strafferen Geldpolitik sorgen steigende Kreditkosten dafür, dass durch die Finanzierung bereits belastete Immobilieneigentümer an ihre Grenzen stossen. Die grösten Risiken für den Markt zeigen sich in einer Analyse von Bloomberg Economics dabei in Neuseeland. Gleich danach folgen die schon näher liegenden Märkte Ungarn und Tschechien. 

"Die Gefahr besteht darin, dass sich die Konjunktur- und Finanzzyklen gleichzeitig abschwächen, was zu länger anhaltenden Rezessionen führen kann", erklärte Rob Subbaraman, Chef der Marktanalyse bei Nomura. "Ein Jahrzehnt QE hat die überschwänglichen Immobilienmärkte angeheizt, und wir könnten bald zur Kehrseite dessen kommen." Punkto Erschwinglichkeit sei der Immobilienmarkt angespannt. Die Schuldendienstquoten könnten stark ansteigen.

In Neuseeland war 2021 das Jahr, in dem die Immobilienpreise mit einem Jahresanstieg von fast 30 Prozent schwindelerregende Höhen erreichten. 2022 dürfte das Jahr werden, in dem die Musik aufhört zu spielen. Zur Inflationseindämmung hat die Notenbank in Wellington im April die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent erhöht. Einen so grossen Zinsschritt gab es seit 22 Jahren nicht. Im Mai folgte eine weitere Anhebung um 50 Basispunkte, und die Prognose, dass die Zinsen im nächsten Jahr das Maximalniveau von knapp 4 Prozent erreichen dürfte. 

In Tschechien zeigte ein Quartalsindex von CEIC Data für die Wohnimmobilienpreise im Dezember einen Jahresanstieg um 26 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das Land geprägt von hoher Wohneigentumsquote, starker Inflation und niedriger Arbeitslosigkeit, wie Ökonom Vit Hradil von der Prager Investmentfirma Cyrrus erklärt. Um die Inflation einzudämmen, die im Mai 16 Prozent erreichte, hat die tschechische Zentralbank die Leitzinsen auf den höchsten Stand seit 1999 angehoben.

In Ungarn hat Premierminister Viktor Orban die Anreize für den Erwerb von Wohneigentum verstärkt, um die Geburtenrate zu erhöhen. Nach Angaben der EU-Datenagentur Eurostat stiegen die Immobilienpreise im Schlussquartal 2021 im Jahresvergleich um fast 20 Prozent. Russlands Krieg in der Ukraine hat die Energiekosten in die Höhe getrieben und die Verfügbarkeit von Bauarbeitern eingeschränkt. Letzte Woche hat die Zentralbank den Leitzins unerwartet um weitere 50 Basispunkte angehoben.

(Bloomberg)