Immobilienmarkt Schweiz - «Dann würde die Nachfrage nach Wohneigentum einbrechen»

März 2019 - dann sollen laut Credit Suisse die Zinsen in der Schweiz wieder steigen. CS-Immobilien-Experte Fredy Hasenmaile sagt im cash-Video-Interview, welche Gefahren dem Schweizer Immobilienmarkt erwachsen könnten.
21.03.2018 14:28
Von Pascal Züger
Fredy Hasenmaile ist Leiter Immobilienanalyse bei der Credit Suisse.
Bild: cash

Es war im Jahr 2007, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) letztmals ihre Zinsen nach oben anpasste. Es folgte eine zehnjährige Phase von Zinssenkungen - inklusive der seit Januar 2015 anhaltenden Ära der Negativzinsen.

Im März 2019 soll nun erstmal wieder ein Zinsschritt nach oben erfolgen. Mit einem solchen Szenario rechnet zumindest die Credit Suisse (CS), wie sie an einer Medienkonferenz am Mittwoch ausführte. Das "Kernrisiko" steigender Zinsen sieht die CS am Immobilienmarkt, und da hat die Bank genaue Vorstellungen.

"Bei einem Zinsanstieg um zwei Prozent innerhalb von zwei Jahren würde die Nachfrage nach Wohneigentum schnell wegbrechen", sagt Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienanalyse der Credit Suisse, im Video-Interview mit cash. Dann käme die Psychologie ins Spiel: Wenn in einem Ecken der Schweiz die Preise zu sinken begännen, stecke das meistens andere Gebiete an. Als weitere Folge würde der Boom der Renditeliegenschaften gebremst und es gäbe weniger Bauinvestitionen. "Durch das hätten wir ein geringeres Wirtschaftswachstum."

Auch die Schweizerische Nationalbank hat in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass der Schweizer Immobilienmarkt nicht ohne Gefahren ist. Ein Zinsanstieg erhöht den Druck auf Immobilienwerte und treibt gleichzeitig die Finanzierungskosten nach oben. Kommt hinzu, dass Schweizer Privathaushalte mit über 730 Milliarden Franken globaler Spitzenreiter bezüglich Hypothekarverschuldung sind. Ein Crash am Häusermarkt könnte daher verheerende Folgen für Privathaushalte und die ganze Schweizer Wirtschaft haben. 

Zur Erinnerung: Beim letzten grossen Schweizer Immobiliencrash vor über 25 Jahren mussten die Banken über 42 Milliarden Franken abschreiben und besonders die auf die Hypothekenvergabe fokussierten Regionalbanken kamen unter die Räder. Im Oktober 1991 ging die Spar + Leihkasse Thun wegen Überschuldung gar Pleite. Die Immobilien in der Schweiz verloren damals 30 bis 40 Prozent ihres Wertes - wobei es starke regionale Unterschiede gab.

Kein Crash wie in den 1990ern

Dennoch: Ein Crash wie damals zeichnet sich laut Hasenmaile derzeit nicht ab. Einerseits geht er nur von einem moderaten Zinsanstieg aus. Andererseits seien auch die Verhältnisse in den 1990er Jahren ganz anders gewesen: "Wir hatten damals viel mehr Spekulation im Markt drin", so Hasenmaile. Die Leute hätten Immobilien erworben, um diese möglichst schnell weiterzuverkaufen. Zurzeit gebe es im Wohneigentumsbereich aber kein Überangebot, eher im Gegenteil: "Wir merken, wie Wohneigentum zum Teil eher etwas knapp ist."

Im Basisszenario der CS wird es in den nächsten Jahren ein weiteres Preiswachstum beim Wohneigentum von zwischen null bis zwei Prozent geben. Einerseits dämpfe zwar der moderate Zinsanstieg die Teuerung im Immobilienmarkt etwas, andererseits verhindere die derzeit sehr gut laufende Konjunktur in der Schweiz eine Preiskorrektur.

Durchwegs positiv ist die Beurteilung der CS punkto Schweizer Wirtschaft. Diese erlebt derzeit einen "Mini-Boom". Zurückzuführen ist dies vor allem auf die äusserst dynamische Weltkonjunktur, welche die Exportindustrie beflügelt. Zudem schafft auch der zum Euro etwas schwächere Schweizer Franken den hiesigen Unternehmen mehr Luft. Die verbesserte Gewinnsituation bei guten Konjunkturaussichten soll auch für mehr Investitionen sorgen. Ein moderater Zinsanstieg bremse dabei die Gesamtwirtschaft nicht, so die CS.

Im Video-Interview mit cash sagt Hasenmaile auch, wieso die Immobilienpreise in der Schweiz seit dem Jahr 2000 massiv angestiegen sind.

(Mit Material von AWP)