Der Schritt wurde am Dienstag zuerst von Irans Vizeaussenminister Abbas Araghchi bekanntgegeben, drei Tage nach einem Angriff auf die Anreicherungsanlage in Natans, für den Teheran seinen Erzfeind Israel verantwortlich macht. Araghchi ist derzeit in Wien, um die iranische Delegation bei neuen Gesprächen über die Zukunft des Atomabkommens am Donnerstag zu leiten. Nach Angaben der iranischen Atomorganisation AEOI sollen die Vorbereitungen für die 60-prozentige Anreicherung in Natans noch am Dienstagabend beginnen.

AEOI-Sprecher Behrus Kamalwandi zufolge soll das Uran für medizinische Zwecke verwendet werden. Gleichzeitig startet auch die Produktion der neuen Zentrifugen, die die bei dem Angriff beschädigten Teile umgehend ersetzen sollen, so der Sprecher laut Nachrichtenagentur Fars. Der Iran hatte sich 2015 verpflichtet, den Anreicherungsgrad unter 4 Prozent zu halten. Doch nach dem 2018 erfolgten Ausstieg der USA aus der Vereinbarung - damals unter Präsident Donald Trump - kam der Iran schrittweise seinen Verpflichtungen nicht mehr nach.

Zuvor schon hatte Teheran vor negativen Auswirkungen des Angriffs auf die Bemühungen zur Rettung des Abkommens gewarnt. "Der Vorfall in Natans erschwert die Verhandlungen", sagte Aussenminister Dschawad Sarif am Rande von Gesprächen mit Russlands Aussenminister Sergej Lawrow. Lawrow warnte bei seinem Iran-Besuch sogar vor einem Scheitern der internationalen Gespräche. Zugleich kritisierte er die Europäische Union.

Nach Angaben der iranischen Atomorganisation AEOI richtete der Angriff auf Natans keine grösseren Schäden an. "Das war nur eine leichte Brise, die uns nicht mal zum Zittern bringt", behauptete ein Sprecher. Die "New York Times" hingegen berichtete unter Berufung auf US-Geheimdienstler, die Uran-Anreicherung des Iran werde um mindestens neun Monate zurückgeworfen.

Russland zählt zu den Ländern, die sich um die Rettung des Abkommens bemühen, das 2015 zwischen dem Iran, den fünf UN-Vetomächten und Deutschland in Wien geschlossen wurde. Es soll sicherstellen, dass der Iran nicht die Fähigkeiten zum Bau einer Atombombe erlangt. Seit vergangener Woche laufen dazu neue Verhandlungen.

Erst am Montag verhängte die EU schärfere Sanktionen gegen den Iran wegen Verstössen gegen grundlegende Menschenrechte. Diese Angelegenheit werfe viele Fragen auf, kritisierte Lawrow. "Wenn es in der Europäischen Union keine Koordination gibt und die rechte Hand nicht weiss, was die linke macht, ist das eine Katastrophe." Wenn diese Entscheidung aber bewusst inmitten der Gespräche über eine Rettung des Atomabkommens getroffen worden sei, sei das ein Fehler.

Aus Verärgerung über die Sanktionen zitierte der Iran am Dienstag den portugiesischen Botschafter als Vertreter der EU-Präsidentschaft ins Aussenministerium. Anstatt der Sanktionspolitik Washingtons "blind zu folgen", sollten die Europäer die Strafmassnahmen der USA verurteilen, forderte Aussenminister Sarif bei einer Pressekonferenz in Teheran./str/fmb/DP/he

(AWP)