Italien zwingt Draghi nicht zum Kurswechsel

Die politische Blockade nach der Wahl in Italien zwingt die Europäische Zentralbank (EZB) zunächst nicht zu einem Kurswechsel. Sie belässt den Leitzins bei 0,75 Prozent.
07.03.2013 16:15
Von Italien gehe keine zusätzliche Belastungen für die Euro-Zone aus, sagte EZB-Chef Mario Draghi an der Medienkonfernz in Frankfurt.

Notenbank-Chef Mario Draghi liess am Donnerstag in Frankfurt nach einer Sitzung des EZB-Rats auch wenig Bereitschaft für eine baldige Leitzinssenkung erkennen, obwohl die Währungshüter nach seinen Worten bereits über diese Möglichkeit diskutiert haben. "Unsere Geldpolitik bleibt so lange wie nötig konjunkturstimulierend, vor allem, weil wir den Banken jederzeit so viel Geld zur Verfügung stellen, wie sie benötigen."

Vor der traditionellen monatlichen Pressekonferenz mit Draghi hatte der EZB-Rat den Schlüsselzins für die Banken in der Euro-Zone - wie von den allermeisten Ökonomen erwartet - den achten Monat in Folge bei 0,75 Prozent belassen. Das ausbleibende Signal für mindestens eine weitere Zinssenkung in den nächsten Monaten, auf das einige Investoren gesetzt hatten, sorgte am Devisenmarkt zunächst für eine deutliche Aufwertung des Euro über die Marke von 1,31 Dollar. Diese wurde aber von der Erkenntnis gebremst, dass es im EZB-Rat offenbar einige Befürworter einer noch laxeren Geldpolitik gegeben hatte.

Keine Ansteckung durch Italien

Draghi sagte, von Italien gingen trotz der überaus schwierigen Regierungsbildung keine zusätzlichen Belastungen für die Euro-Zone aus. "Die Märkte sind nach einiger Aufregung unmittelbar nach der Wahl wieder ungefähr da, wo sie vor der Wahl waren. Die Märkte verstehen, dass wir in Demokratien leben", sagte er. "Die Ansteckung anderer Länder ist diesmal unterblieben, anders als es vielleicht vor eineinhalb Jahren gewesen wäre." Ein gutes Zeichen für das zuletzt wieder gestiegene Vertrauen an den Finanzmärkten sei auch, dass immer mehr Banken Teile der langfristigen Hilfskredite vorzeitig tilgten.

Für die Wirtschaft der Euro-Zone erwartet Draghi zwar noch ein hartes Jahr und in Summe sogar eine etwas schlimmere Rezession als ursprünglich erwartet. Allerdings dürfte seiner Einschätzung nach der Wind bald drehen. "Der Pfad der wirtschaftlichen Erholung bleibt unverändert und auch die Inflationserwartungen stimmen mit unseren mittelfristigen Zielen überein", begründete er, warum sich die Notenbanker letztlich gegen eine Zinssenkung entschieden. 2014 rechnen die Ökonomen der EZB wieder mit Wirtschaftswachstum in der Währungsunion - allerdings nur mit einem mageren Plus von einem Prozent.

Zinsspekulationen dürften sich halten

Analysten und Ökonomen werteten die Aussagen Draghis als Enttäuschung für diejenigen Anleger, die auf eine Zinssenkung oder wenigstens ein entsprechendes Signal spekuliert hatten: "Die Hoffnungen der Anleger ruhen derzeit auf den Notenbanken und offenbar haben sich einige einfach mehr versprochen", sagte Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Rainer Sartoris von der Privatbank HSBC Trinkaus in Düsseldorf glaubt, dass die Hoffnung auf noch niedrigere Zinsen bleiben wird: "Die Zinssenkungsfantasie dürfte noch lange nicht aus dem Markt verschwinden, denn immerhin ist die Möglichkeit von den Notenbankern ja diskutiert worden."

Auch ausserhalb der Euro-Zone setzen Investoren weiter auf die Feuerkraft der Zentralbanken. Vor der Zinsentscheidung der EZB hatten die Pendants in Japan und Grossbritannien zwar ihren geldpolitischen Kurs jeweils bestätigt. Experten erwarten jedoch, dass in Japan nach dem in wenigen Tagen anstehenden Wechsel an der Spitze die Notenpresse bald noch deutlich schneller rotieren wird. Regierung und künftige Notenbankführung wollen mit massiven Anleihe-Käufen die seit mehr als einem Jahrzehnt andauernde Wirtschaftsmisere endlich beenden. Auch in Grossbritannien zeichnet sich ab, dass die Bank von England in den kommenden Monaten der lahmenden Konjunktur einen neuen Stimulus verpassen könnte.

(Reuters)