Jordan: «Wohl längere Zeit sehr tiefe Zinsen»

Im cash-Video-Interview sagt SNB-Präsident Thomas Jordan, dass die Leitzinsen im internationalen Umfeld wohl auch längerfristig sehr tief bleiben. Für das WM-Spiel Schweiz - Frankreich gibt er exklusiv einen Tipp ab.
19.06.2014 13:45
Von Daniel Hügli, Bern
SNB-Präsident Thomas Jordan im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) behält das Zielband für den Dreimonats-Libor zwischen 0 und 0,25 Prozent. Ihr wichtigeres Instrument zum Schutz der Schweizer Volkswirtschaft und der Etablierung der Preisstabilität ist aber die Franken-Kursuntergrenze zum Euro von 1,20. Auch diese hat weiterhin Bestand. Das gab die SNB anlässlich ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung bekannt.

Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass die SNB erst 2018 den Leitzins wieder erhöhen wird. Thomas Jordan, Direktoriumspräsident der SNB, will sich zwar nicht auf die Äste hinauslassen, wann es in der Schweiz wieder die ersten Zinserhöhungen gibt. "Im internationalen Umfeld ist es aber in der Tat so, dass man wohl auf längere Zeit mit sehr tiefen Zinsen rechnen muss", sagt Jordan im Video-Interview mit cash.

Neue Erwartungen eines Langfrist-Tiefzinsumfeldes hatte vor zwei Wochen die Europäische Zentralbank (EZB) geschürt, indem sie weitere Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft und zur Vermeidung von Deflation bekanntgegeben hatte. So wurde der Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und Strafzinsen für Banken erhoben. Es werden noch weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen der EZB erwartet, was den Handlungspielraum der SNB weiter einschränken könnte.

"Die Entscheide der EZB macht das ganze Umfeld etwas komplexer", so Jordan weiter zu cash. "Für uns steht der Mindestkurs im Vordergrund. Negativzinsen auch in der Schweiz sind nicht ausgeschlossen."

Franken wertet sich auf

Seit der Einführung der Euro-Kursuntergrenze der SNB im Herbst 2011 können die Schweizer Währungshüter kaum mehr eigenständige Geldpolitik betreiben. Die SNB ist an einen tiefen Leitzins gebunden, um so die Attraktivität des ohnehin überbewerteten Frankens vor allem gegenüber dem Euro nicht zu erhöhen. Und so lange die EZB das Geld nicht verteuert, kann dies die SNB auch nicht tun.

Der Franken wertet sich am Donnerstag nach Bekanntgabe des SNB-Zinsentscheides leicht auf und notiert zum Euro bei 1,2164. Das ist an der unteren Grenze der Niveaus, die in den letzten 12 Monaten erreicht wurden. Dies führte an den Märkten immer wieder zu Spekulationen, dass die SNB schon weit oberhalb der Untergrenze bei 1,20 interveniere und Euros kaufe, um den Franken zu schwächen.

Gibt es für die SNB zwei Mindestkurse, eine für die Märkte und die Öffentlichkeit sowie eine SNB-interne? Jordans Antwort im cash-Interview ist klar: "Es gibt einen Mindestkurs, und der liegt bei 1,20 Franken pro Euro." Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe der Eidgenossenschaft verliert am Donnerstag fast vier Prozent. Der Bond rentiert nun noch bei mageren 0,79 Prozent.

Die SNB hatte den Mindestkurs im September 2011 festgesetzt. Damit wollte sie die Schweizer Wirtschaft vor Deflation und Rezession schützen, nachdem der Franken zum Euro fast auf Parität geklettert war. Wegen der europäischen Schuldenkrise hatten sich viele Marktteilnehmer seinerzeit in den Franken geflüchtet.

Wie viele andere Schweizer verfolgt auch Thomas Jordan die Leistungen der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in Brasilien. Zum morgigen Match gegen Frankreich ist Jordan "bullish": "Die Schweiz gewinnt 3:0".

Im Video-Interview äussert sich Thomas Jordan auch zur Frage, weshalb die Raiffeisen-Gruppe bezüglich Hypothekargeschäften zum ersten Mal im Stabilitätsbericht der SNB erwähnt wurde.