Jungfraubahn einigt sich mit Scheidegg Hotels über V-Bahn-Projekt

(Zusammenfassung mit CEO-Kommentar und Aktienkurs) - Die Jungfraubahnen sind bei der Planung ihrer V-Bahn einen Schritt weiter: Andreas von Almen, Hotelier auf der Kleinen Scheidegg, zieht seine Einsprache gegen das "Jahrhundertprojekt" zurück. "Geld floss keines", beteuert Urs Kessler, der CEO der Jungfraubahnen.
17.10.2017 15:59

Vielmehr komme man dem Hotelier entgegen, indem man unter anderem die Höhe der obersten Zwischenstützen reduziere, sagte Kessler am Dienstag der Nachrichtenagentur sda. Zudem soll die Kleine Scheidegg wieder stärker in Richtung Tradition ausgerichtet werden. Tipi und Valser-Zelt sollen neuen Angeboten weichen.

Die Jungfraubahnen sind ausserdem bereit, ab Fertigstellung der V-Bahn auf das "Snowpenair" zu verzichten. Das Saisonschluss-Festival lockt seit 1998 jedes Jahr um die 10'000 Musikfans in die Höhe.

Die Einigung zwischen Bahn und Hotelier ist in einer Vereinbarung festgehalten, die am Dienstag unterzeichnet wurde. Von Almen hatte sich lange Zeit gegen das Projekt gewehrt, weil er eine Verschandelung der Landschaft befürchtete.

Alles werde rücksichtlos auf den Massentourismus ausgerichtet, kritisierte er. Das Gleichgewicht zwischen Massen- und Individualtourismus gehe verloren. Für eine Stellungnahme war er am Dienstag nicht erreichbar.

WEITERE EINSPRACHEN

Nach seinem Einlenken bleiben zwei Einsprachen zu bereinigen, wie CEO Kessler auf Anfrage sagte. In beiden Fällen suche man weiter nach einer einvernehmlichen Lösung. Bei der Einsprache von zwei Umweltverbänden ist Kessler zuversichtlich, dass eine Einigung zustande kommt.

Eine "grosse Herausforderung" ist für ihn die Einsprache eines widerspenstigen Grundstückbesitzers. Eine Enteignung kann er nicht ausschliessen - wenngleich die Jungfraubahnen das eigentlich vermeiden möchten, wie Kessler betonte.

WETTLAUF MIT DER ZEIT

Das 400 Millionen Franken schwere V-Bahn-Projekt gibt in der Region seit Jahren zu reden. Die neue Bahn soll sowohl den Eigergletscher aus auch den Männlichen erschliessen. Ab einem gemeinsamen Terminal in Grindelwald Grund soll eine 3S-Bahn zum Eigergletscher und eine Zehnergondelbahn zum Männlichen führen.

Ziel bleibt der Baubeginn im Frühsommer 2018. Im Fall der Männlichenbahn ist es ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Konzession der bestehenden Gondelbahn aus dem Jahr 1978 läuft bald ab. Die neue Männlichenbahn könnte nach den aktuellen Plänen Ende 2019 eröffnet werden, der Eiger-Express ein Jahr später.

AKTIE KNAPP UNTER ALLZEITHOCH

Die Aktie der Gruppe reagiert freundlich auf die Neuigkeiten. Bis 15.20 legen die Teitel um 1,1% auf 127,60 CHF zu. Damit stehen die Titel knapp unter dem Anfang Monat markierten bisherigen Allzeithoch von 132,60 CHF.

(AWP)