Kapitalertragssteuern - Bitcoin-Sturzflug: Bidens Steuerpläne schicken Kryptowährungen auf Talfahrt

Die geplante Erhöhung der Kapitalertragssteuern in den USA löst einen Ausverkauf bei Kryptowährungen aus.
23.04.2021 10:15
Das Symbol für Bitcoin - tatsächliche Münzen existieren aber nicht.
Das Symbol für Bitcoin - tatsächliche Münzen existieren aber nicht.
Bild: Pixabay

Bitcoin fiel am Freitag um gut sieben Prozent auf ein Sieben-Wochen-Tief von 47'662 Dollar. Die Nummer zwei der Cyber-Devisen, Ethereum, büsste gut zwölf Prozent auf 2115 Dollar ein. Am Donnerstag hatte sie noch ein Rekordhoch von 2645,75 Dollar erreicht.

Insidern zufolge will US-Präsident Joe Biden die Kapitalertragssteuern in etwa verdoppeln. Börsianer befürchten, dass dies die Attraktivität von Kryptowährungen als Geldanlage schmälert. Einige Fonds hätten auf die Nachrichten mit aggressiven Verkäufen reagiert, sagte Avi Felman, Chef-Händler des auf Kryptowährungen spezialisierten Vermögensverwalters Blocktower.

"Es ist klar, dass Bitcoin empfindlicher auf höhere Kapitalertragssteuern reagiert als die meisten anderen Anlageklassen. Die Gefahr einer Regulierung, entweder direkt in den Märkten oder indirekt über den Steuerbeamten, war immer die Achillesferse von Krypto", sagte Jeffrey Halley, Analyst beim Broker OANDA, gegenüber Kunden in einer Notiz.

Trotz der jüngsten Verluste liegt der Bitcoin mittel- und langfristig immer noch deutlich im Plus. Seit Ende 2020 beläuft sich der Anstieg noch auf 70 Prozent. Auf Jahressicht liegt das Plus bei mehr als 500 Prozent und in den vergangenen fünf Jahren zog der Kurs mehr als 10'000 Prozent an. Seit einiger Zeit ist jedoch unter den vielen Kryptowährungen eine Verschiebung vom Bitcoin zu anderen Internetdevisen wie Ether, Binance, Tether oder XRP zu beobachten.

Bei Ethereum seien die Kursverluste zu einem nicht unerheblichen Teil eine Reaktion auf vorangegangene Kursgewinne, warf Chris Weston, Chef-Analyst des Brokerhauses Pepperstone, ein. "Es hat sich im Vergleich zu Bitcoin deutlich überdurchschnittlich entwickelt." Seit Jahresbeginn hat Ethereum knapp 230 Prozent zugelegt, fast vier Mal so stark wie Bitcoin. Der MSCI-Weltaktienindex kommt im gleichen Zeitraum nur auf knapp fünf Prozent Kursplus.

Einbruch von 50 Prozent möglich

Scott Minerd, Anlagechef beim globalen Investment- und Beratungsunternehmen Guggenheim, bleibt für Bitcoin langfristig zwar optimistisch, sagte aber bereits am Mittwoch in der CNBC-Sendung "Worldwide Exchange", dass die weltweit grösste Kryptowährung zu weit und zu schnell gelaufen sei. "Angesichts des schnellen und massiven Kursanstiegs muss Bitcoin grundlegend korrigieren".

"Ich denke, Bitcoin könnte auf 20’000 bis 30’000 Dollar zurückgehen, was einem Einbruch von 50 Prozent entspricht. Aber das Interessante an Bitcoin ist, dass wir dies schon einmal gesehen haben", sagte Minerd. Er denke, dies sei Teil einer "normalen Entwicklung in einem langfristigen Bullenmarkt", wo Bitcoin schlussendlich einen Kurs zwischen 400’000 und 600’000 Dollar erreichen wird.

(Reuters/cash/AWP)