Hügli meint

Kein Grund zur Panik bei der Digitalisierung

Viele Leute können mit Schlagwörtern aus der Welt der Digitalisierug nichts anfangen - was da und dort für Unruhe sorgt. Doch die Digitalisierung findet nicht über Marketing-Begriffe statt.
27.04.2016 08:03
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
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Bild: Geri Born

Vor fast drei Jahren sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen verhängnisvollen Satz: "Das Internet ist für uns alle Neuland". Damals war das Internet bereits 20 Jahre alt war. Es ergossen sich Spott und Häme der Internetgemeinde über die deutsche Regierungschefin.

Abgesehen davon, dass die Aussage der Kanzlerin aus einem Zusammenhang gerissen wurde, hat Merkel damals wohl nur das gesagt, was Symbolwert hat für weite Bevölkerungskreise. Viele Bürger in Deutschland und auch in der Schweiz wissen mit Schlüsselbegriffen der Digitalisierung offenbar nichts anzufangen. 80 Prozent und mehr wissen etwa nicht, worum es sich bei Begriffen wie "Internet der Dinge" oder "Wearables" handelt, wie eine Umfrage im Februar ergab. Selbst Mitglieder der digital affinen Generation der unter 30-Jährigen hat acht der vorgestellten 14 Begriffe mehrheitlich noch nie gehört.

Ist das nun "erschreckend" oder gar gefährlich für einen Wirtschaftsstandort wie die Schweiz oder Deutschland, wie in der Umfrageauswertung geschlussfolgert wurde?

Mitnichten. Sicherlich sind einige Stichworte und Begriffe wichtig für das allgemeine und übergreifende Verständnis. Aber die Digitalisierung der Gesellschaft findet nicht über Marketing-Schlagwörter statt, die morgen oder übermorgen wieder vergessen sind. Sie breitet sich über praktische Anwendung aus, für die tagtäglich Amazon, Twitter, Apple, Facebook, unzählige Apps oder auch Firmen wie Postfinance oder Swisscom zuständig sind.

Die Durchdringung gerade von neuen Telekommunikationsmedien unter der älteren Generation war in den letzten Jahren erstaunlich. Viele ältere Semester nennen ihren kleinen Computer aber nicht "Smartphone" oder gar "Phablet". Dass der Kenntnisstand über Begriffe der Digitalisierung derart tief ist, muss höchstens eine Warnung an Politiker oder Journalisten sein, welche die Marketing-Schlagwörter der Industrie gedankenlos übernehmen.

Jahre nach Merkels Aussage war Multi-Milliardär und Internet-Guru Jack Ma am WEF in Davos. Der Gründer und CEO der chinesischen Handelsplattform Alibaba sagte auf einem Podium, man wisse nichts über die Zukunft des Internets. Ein Shitstorm à la Merkel blieb aus.