Konjunktur - IWF erwartet mehr Inflation - Zentralbanken sollen nicht zu früh reagieren

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet weltweit kräftiger steigende Konsumentenpreise, warnt die Notenbanken aber vor einer raschen Abkehr von der Politik des billigen Geldes.
27.07.2021 15:08
Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet weltweit kräftiger steigende Konsumentenpreise.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet weltweit kräftiger steigende Konsumentenpreise.
Bild: pixabay.com

Die Preise dürften in diesem Jahr in den Industriestaaten um durchschnittlich 2,4 Prozent zulegen, teilte der IWF am Dienstag in seinem Konjunkturausblick mit. Im April war er nur von 1,6 Prozent ausgegangen. Für 2022 wurde die Prognose von 1,7 auf 2,1 Prozent erhöht. Auch für die Entwicklungs- und Schwellenländer wird eine höhere Inflation erwartet.

Der IWF warnte die Zentralbanken davor, angesichts steigender Teuerungsraten ihre Unterstützung für die Wirtschaft durch billiges Geld zu früh zurückzufahren. "Die Zentralbanken sollten generell über vorübergehenden Inflationsdruck hinwegsehen und eine Straffung vermeiden, bis mehr Klarheit über die zugrundeliegende Preisdynamik besteht", riet der Fonds. Das müsse von den Währungshütern gut erklärt werden, damit sich Inflationserwartungen nicht verfestigten. "Es besteht jedoch das Risiko, dass der vorübergehende Druck anhalten wird und die Zentralbanken präventive Maßnahmen ergreifen müssen", räumte der IWF zugleich ein.

Wegen der Corona-Rezession hatten Notenbanken wie die EZB im vergangenen Jahr weltweit ihre Geldpolitik weiter gelockert, etwa durch den milliardenschweren Kauf von Wertpapieren. Damit wird Geld in die Wirtschaft gepumpt, was Investitionen und Konsum anregen und der Konjunktur aus dem Corona-Tal helfen soll. Billiges Geld kann aber auch die Inflation anheizen. In den USA etwa liegt die Inflationsrate schon bei mehr als fünf Prozent. Allerdings ist dies auch dem Umstand geschuldet, das ein Jahr zuvor die Preise in vielen Bereichen wegen der weltweiten Corona-Rezession gefallen waren. Die EZB will auf absehbare Zeit der pandemiegeschwächten Wirtschaft mit einer sehr expansiven Geldpolitik unter die Arme greifen, wie ihre Präsidentin und frühere IWF-Chefin Christine Lagarde jüngst bekräftigte.

Die US-Notenbank Fed unterstützt die Wirtschaft noch mit Konjunkturspritzen in Höhe von 120 Milliarden Dollar im Monat. Sie berät jedoch aktuell darüber, wie sie die Hilfen zurückfahren könnte. Experten rechnen allerdings erst frühestens Ende des Jahres damit, dass die Wertpapierkäufe abgeschmolzen werden.

(Reuters)