Krise - «Whatever it takes»: Grossbritannien sucht verzweifelt Lkw-Fahrer

Die britische Regierung hat verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen den akuten Mangel an Lkw-Fahrern angekündigt.
25.09.2021 03:22
Lieferwagen fahren die Londoner Geschäftsstrasse Kingsway herauf und hinunter.
Lieferwagen fahren die Londoner Geschäftsstrasse Kingsway herauf und hinunter.
Bild: cash

"Wir werden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sicherzustellen, dass die Engpässe gelindert werden", sagte Verkehrsminister Grant Shapps am Freitag dem Sender Sky News. Am Vortag hatte der Ölkonzern BP erklärt, einige seiner 1200 britischen Tankstellen schliessen zu müssen, da es an Truckern für den Transport von Benzin und Diesel mangele.

An Tankstellen in London und in Kent bildeten sich am Freitag Schlangen vor den Zapfsäulen, weil Autofahrer Engpässe befürchteten. Schätzungen zufolge fehlen der britischen Transportbranche derzeit rund 100'000 Fahrer. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass etwa 25'000 Trucker nach dem Brexit auf den europäischen Kontinent zurückgekehrt sind und dass die Virus-Pandemie die Ausbildung neuer Fahrer behindert.

"Wir werden alles tun, was nötig ist", sagte der Verkehrsminister am Dienstag. Dabei bediente er sich der 2012 berühmt gewordenen Redewendung "whatever it takes", mit der der damalige Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, die Finanzmärkte in der Euro-Krise beruhigt hatte. Ziel sei, dass der Autoverkehr weiter normal laufe, sagte Shapps. Die Regierung arbeite hart daran, Gesetze zu ändern, um die Ausbildung neuer Lkw-Fahrer zu erleichtern. Wegen des Lockdowns in der Virus-Pandemie hätten 40.000 Interessenten keine Prüfungen abgenommen werden können.

Schon im August hatte die Schnellrestaurant-Kette McDonald's aufgrund von Problemen in den Lieferketten Milchshakes und bestimmte Getränke von den Speisekarten seiner britischen Filialen nehmen müssen. Dem Wettbewerber Nando's war Hühnerfleisch ausgegangen.

Shapps sagte, man müsse auch dafür sorgen, dass der Beruf des Lkw-Fahrers attraktiver werde. Grossbritannien habe lange von billigen Arbeitskräften zumeist aus Osteuropa profitiert. Auf die Frage, ob die Regierung die Visabestimmungen für interessierte Trucker aus anderen Ländern lockern würde, sagte er, es würden alle Optionen geprüft.

Zuvor hatte es Forderungen gegeben, kurzfristig Visa für die Einreise solcher Fahrer zuzulassen. Damit solle die Lücke bis zur Ausbildung einer ausreichenden Zahl britischer Trucker geschlossen werden. Kurzfristig könnten internationale Fahrer helfen, auch wenn es wohl zu spät sei, um damit für eine störungsfreie Logistik des Weihnachtsgeschäfts der Einzelhändler zu sorgen, erklärte ein Vertreter der Branche. Langfristig brauche man aber höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. 

(Reuters)