Kryptowährungen  - Bitcoin, Ether? Wegen Tether machen sich Ökonomen nun Sorgen

Tether sorgt für Irritationen. Die auf der Welt drittgrösste, an den Dollar gekoppelte Kryptowährung könnte laut Ökonomen zum «schwarzen Schwan» für Kryptowährungen und die Finanzstabilität generell werden.
07.07.2021 13:55
Die Kryptowährung Tether ist an den Dollar gekoppelt.
Die Kryptowährung Tether ist an den Dollar gekoppelt.
Bild: Bloomberg

Anders als Bitcoin und Ether ist Tether ein Stablecoin, gehört also zu jenen Kryptowährungen, die an eine bestimmte andere Assetklasse gebunden sind. Tether spezifisch ist an den Dollar gekoppelt. Der Kurs bewegt sich deswegen relativ nah am Dollarkurs.

Es sind aber die immer wieder vom Dollar abweichenden Tether-Kurse, die für Unruhe sorgen, wie der US-Sender CNBC berichtet. Crypto-Trader nehmen zum Teil Tether statt Dollars, um andere Kryptowährungen wie Bitcoin zu kaufen. Es bestehen auch Befürchtungen, dass mittels Tether die Bitcoin-Preise manipuliert werden.

Bei Tether könnten nun Schwierigkeiten in einem Bereich auftreten, wo nicht genügend Dollar-Reserven für die Dollar-Anbindung vorhanden sind. Das Unternehmen Tether Limited, das den Token herausgibt, bezifferte im Mai die Barreserven für die Währung auf 2,9 Prozent.

Die Dollar-Deckung von Tether ist schon häufiger Gegenstand von Kontroversen gewesen. Ein grosser Teil der Reserven wird offenbar in Geldmarktpapieren gehalten, mithilfe derer Zentralbankgeld kurzfristig in Liquidität umgewandelt werden kann. Laut JPMorgan würde dies die Tether-Issuer zu den zehn grössten Geldmarktpapier-Haltern der Welt machen. Allerdings ohne, dass das Unternehmen reguliert ist.

Auch Transparenz ist ein Thema. Tether Limited und die Cryptobörse Bitfinex gehören zur gleichen Gruppe, Ifinex. Die Staatsanwaltschaft New York ermittelte gegen beide Unternehmen wegen des Verdachts, Verluste von 850 Millionen Dollar verschleiert zu haben. Die Rechtsstreitigkeit endete im vergangenen Februar mit einem Vergleich, in dessen Rahmen Tether und Bitfinex eine Busse von 18,5 Millionen Dollar bezahlten und vom Handel im Staat New York ausgeschlossen wurden.

«Liquiditätschock»

Ein plötzlicher Vertrauensverlust in Tether könnte laut JPMorgen zu einem "Liquiditätschock" bei Kryptowährungen führen. Würden Trader massiv Mittel abziehen, könnte dies die Märkte belasten. Ein solches Ereignis, was schwer vorhersehbar ist, wird auch als "Schwarzer Schwan" bezeichnet, im Gegensatz zum "Weissen Schwan", einem Ereignis, wo genauere Einschätzungen möglich sind. 

Der Präsident der Federal Reserve (Fed) in Boston, Eric Rosengren, bezeichnete Tether schon im Juni als Risiko für die Finanzstabilität. Allerdings stehen die US-Notenbank und ihre regionalen Zweigstellen Kryptowährungen generell sehr kritisch gegenüber. Die Währungshüter wollen Kryptowährungen regulieren. Krypto-Fans werfen der Fed daher auch vor, übermässig kritisch über die Anlageklasse zu urteilen.  

(cash)