Der Markt für Kryptowährungen hat sich schnell von den Turbulenzen am Freitag erholt, die durch Chinas jüngstes hartes Durchgreifen ausgelöst wurden. Bitcoin und Ether machten vom Sonntag ausgehend einen Grossteil ihrer Verluste wieder wett.

China erklärte am Freitag sämtliche Aktivitäten rund um Cyberdevisen für illegal und untersagte ausländischen Kryptobörsen jegliche Dienstleistungen für Kunden in China. Gleichzeitig erliess die Regierung ein landesweites Verbot des sogenannten Krypto-Mining. Dabei stellen Nutzer Rechnerkapazitäten für die Prüfung und Verschlüsselung von Transaktionen zur Verfügung. Sie werden dafür in der jeweiligen Kryptowährung entlohnt.

"Es kann gut sein, dass die härtere chinesische Gangart bereits eingepreist ist", beurteilt Jeffrey Halley, Analyst beim Broker Oanda, die schnelle Erholung. Einzig Aktien und Token, die stark mit dem chinesischen Kryptomarkt verbunden sind, bleiben unter Druck. Die an der Hongkonger Börse gelistete Kryptobörse Huobi verliert am Montag 33 Prozent, der gleichnamige Token gibt um 10 Prozent nach.

China-Turbulenzen zweitrangig

Während China mit seiner Regulierung den Kryptomarkt zumindest kurzfristig stark beeinflussen kann, vollzieht sich schleichend eine Entwicklung mit wohl viel grösserem Ausmass. Wie das Wirtschaftsmagazin Forbes berichtet, warnten Analysten von JPMorgan schon vor den China-Turbulenzen davor, dass grosse Investoren sich Bitcoin ab- und Ether zuwenden.

"Grosse Investoren würden zunehmend Bitcoin-Futures meiden und sich bei ihren Käufen stattdessen auf Ether konzentrieren", schrieben die Analysten in einer Mitteilung an Kunden. Die wertmässig zweitgrösste Kryptowährung gewinnt bei den Grossinvestoren an Beliebtheit, da die Begeisterung für Non-Fungible Token (NFT) anhält. Ein NFT ist eine Art digitaler Echtheits- und Eigentumsnachweis. Dabei wird zum Beispiel ein Videoclip auf einer Blockchain registriert. Dazu werden die Eigentümer sowie Käufe und Verkäufe eingetragen. 

Zudem bestehen die Erwartungen, dass die dezentrale Finanzierung auf Ethereum-Basis (DeFi) mit der traditionellen Finanzierung zukünftig konkurrieren wird. Decentralized Finance (DeFI) macht Finanzgeschäfte ohne Banken, Broker oder Börsen als zwischengeschaltete Vermittler möglich, die in der Regel kräftig mitverdienen. Beispielsweise können Kredit-Geber und -Nehmer ihre Transaktionen direkt miteinander abwickeln.

"Diese Eigenschaften deuten gesamthaft auf eine viel gesündere Nachfrage nach Ether gegenüber Bitcoin durch institutionelle Anleger hin", schrieben die Analysten weiter. Diese stärkere Nachfrage und die zunehmende Beliebtheit zeigen sich auch in der Kursrendite seit Anfang Jahr - plus 51 Prozent bei Bitcoin, plus 319 Prozent bei Ether.

Auch Cathie Wood ist von Ether angetan

JPMorgan ist der jüngste in einer wachsenden Reihe von Krypto-Marktbeobachtern, die Ether loben. Einige gehen sogar so weit, vorherzusagen, dass Ether Bitcoin schliesslich in den Schatten stellen wird. cash.ch hat hier Ether mit Bitcoin verglichen.

"Ether erlebt dank NFT und DeFi eine Explosion der Entwickleraktivität", sagte Cathie Wood, die Geschäftsführerin von Ark Invest, letzte Woche und enthüllte, dass ihr Vertrauen in Ether "dramatisch gestiegen ist".

"Ich bin fasziniert von dem, was bei DeFi vor sich geht. Die Kosten der Infrastruktur für Finanzdienstleistungen bricht auf eine Weise zusammen, die die traditionelle Finanzindustrie derzeit noch nicht zu schätzen weiss", sagte Wood.

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