Kursverfall beim Franken? - Die Société Générale sieht den Franken im Visier von Leerverkäufern

Das Problem der Schweizerischen Nationalbank ist der dauernde Aufwertungsdruck auf den Franken. Die französische Société Générale erwartet aber, dass der Frankenkurs fällt und Leerverkäufer auf den Plan rufen wird.
24.11.2019 12:04
Offenbar sind Hedgefonds und Spekulanten bezüglich des Frankens pessimistischer geworden.
Offenbar sind Hedgefonds und Spekulanten bezüglich des Frankens pessimistischer geworden.
Bild: ZVG

Der Franken hat in diesem Jahr bislang knapp 3 Prozent zum Euro aufgewertet. Neue quantitative Analysemodelle der Société Générale (SocGen) mahnen jedoch zur Vorsicht: Sie lassen für die Schweizer Währung einen Kurseinbruch ins nächste Jahr hinein erwarten. Und machen sie zum Kandidaten für Leerverkäufe.

In ihrer Analyse konzentriere sich die Bank auf Modelle zu Preis-Umkehrungen auf wichtige Niveaus, die Bewertung gegenüber anderen Währungen und die Neigung der Renditekurven, erklärte Olivier Daviaud, Stratege im Quant-ResearchTeam von SocGen. In Simulationen zur Devisenmarkt-Entwicklung der vergangenen zehn Jahre erzielten die Modelle in sieben Jahren positive Ergebnisse.

Per 12. November lieferten die quantitativen Modelle für den Franken nun zwei Signale in Richtung eines drohenden Wertverlustes und ein neutrales Signal. Das Modell der Mittelwert-Rückkehr signalisiert die Gefahr eines Ausverkaufs. Es analysiert die Kursentwicklung über eine Spanne von sechs Jahren und postuliert eine letztliche Rückkehr zum Mittelwert.

Franken-Signale

Das Modell fairer Kurse legte eine hohe Bewertung der Währung nahe. Dies steht im Einklang mit einer OECD-Messgrösse der Kaufkraftparität, derzufolge der Franken unter den G10-Währungen gegenüber dem Dollar am stärksten überbewertet ist. Ein neutrales Signal lieferte indessen das Renditekurvenmodell. Es unterstellt, dass eine Währung bei einer steileren Renditekurve in den folgenden sechs Monaten aufwerten wird.

Positionsdaten der amerikanischen Commodity Futures Trading Commission zeigen, dass spekulative Investoren und Hedgefonds seit Mitte September bezüglich des Frankens pessimistischer geworden sind. Die grössten Short-Position unter den G10-Währungen gibt es allerdings nicht bei der Währung der Schweiz, sondern beim Euro.

Seit Jahresanfang hat Franken zum Euro 2,9 Prozent zugelegt, da Anleger mit Blick auf Spannungen im Welthandel und die sich eintrübende Konjunktur die Sicherheit der Schweiz suchten. Zum Dollar liegt der Franken auf Sicht dieses Jahres unterdessen 0,7 Prozent im Minus.

Value-Investing-Prinzipien auf Währungen

Mit ihren quantitativen Modellen wendet SocGen seit September Value-Investing-Prinzipien auf Währungen an. Das stärkste Ergebnis hätte die SocGen-Anlagestrategie gemäss den bis 2002 zurückgehenden Simulationen im Finanzkrisen-Jahr 2009 eingefahren, hier hätte das Plus bis zu 25 Prozent betragen. Das Ergebnis des laufenden Jahres war indessen bislang nicht herausragend, es steuert auf einen Verlust von 1,4 Prozent zu, den grössten seit 2010.

"Gelegentlich können diese Modelle auf dem falschen Fuss erwischt werden, durch unvorhergesehene externe Faktoren", sagte SocGen-Stratege Daviaud. "Systemstrategien beruhen allerdings auf der Annahme, dass sich solche Störungen mit der Zeit gegeneinander aufwiegen und ermöglichen, dass sich mit anhaltenden Kurs-Ineffizienzen positive Erträge erwirtschaften lassen."

(Bloomberg/cash)

 
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