Lagarde: «Frauen wären heilsam fürs Finanzsystem»

Die IWF-Chefin Christine Lagarde debattiert am St.-Gallen-Symposium über die Euro-Schuldenkrise und sagt, weshalb es in der Finanzwelt dringend mehr Frauen braucht.
02.05.2013 14:30
Von Frédéric Papp, St. Gallen
IWF-Chefin Christine Lagarde
IWF-Chefin Christine Lagarde
Bild: Bloomberg

Die IWF-Chefin Christine Lagarde gab sich auf die Fragen von BBC-Reporter Stehpen Sackur am 43. St. Galler Symposium am Donnerstag betont vorsichtig. Denn was eine der mächtigsten Frauen der Welt sagt, hat Gewicht und kann die Märkte gehörig durcheinanderwirbeln. Auf eine Publikumsfrage gab sie hingegen eine klare Antwort.

"Was können junge Menschen tun, um das Finanzsystem zu stabilisieren?", fragte eine österreichische Studentin. Sie solle sich um einen Topjob in der Finanzbranche bemühen, antwortete Lagarde. Wären mehr Frauen in Entscheidungspositionen eingebunden, wäre das Finanzsystem besser, erklärte Lagarde und erntete dafür Applaus vom Männer dominierten Publikum. Sie begründete ihre Aussage damit, dass Frauen in der Regel eine andere Risikoeinstellung hätten als Männer.

In diesem Zusammenhang würdigte Lagarde auch das Bestreben des japanischen Regierungspräsidenten Shinzo Abe, japanischen Frauen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dies sei, so die Französin, ein Pfeiler neben der expansiven Geldpolitik und Strukturreformen, damit Japan wieder auf den Wachstumspfad zurückfinden könne.

Laut offiziellen Statistiken macht der Anteil der Frauen in Japan im unteren und mittleren Management knapp 12 Prozent aus. Dies ist einer der niedrigsten Werte unter den entwickelten Volkswirtschaften. Grosses Ziel sei es, den Anteil von Frauen in Führungspositionen bis 2020 auf 30 Prozent zu steigern, erklärte Ministerpräsident Shinzo Abe an einer Pressekonferenz vor zwei Wochen.

Es gibt keine raschen Lösungen

Bei Fragen rund um die Zukunft der Euro-Zone gab sich Lagarde wortkarg. Die Frage des Gesprächsleiters Sackur, ob der Euro in seiner aktuellen Form bestehen bleibe, liess sie unbeantwortet. Stattdessen betonte sie die Komplexität der Euro-Zone. Jedes der 17 Euroländer habe spezifische Probleme und Lösungen müssten demnach individuell ausgestaltet werden.

Umso schwieriger ist es laut Lagarde, ein gemeinsames Projekt wie eine europäische Bankenunion ins Leben zu rufen. Sie sei aber sicher, dass es gelingen werde. Aber es brauche schlicht mehr Zeit.

Lagarde befürwortet Austerität – sie bevorzugt den Begriff fiskalische Konsolidierung – bei Ländern, wo es notwendig sei. Die Sparprogramme müssten in einer erträglichen Geschwindigkeit erfolgen. "Don’t rush", warnte Lagarde im Hinblick auf die Krisenstaaten Griechenland und Spanien.

Der IWF gewährt Kredite an Not leidende Staaten unter Einhaltung von Auflagen. Viel Geld floss in den letzten Jahren vor allem nach Europa. Rund 60 Prozent aller IWF-Gelder sind heute in Europa gebunden. Dies sei, so Lagarde, aber nicht ungewöhnlich. Bereits vor 30 Jahren waren IWF-Gelder mehrheitlich nach Europa geflossen. In der Vergangenheit gab es auch grosse Engagements in Lateinamerika und Asien.