Märkte - Anlagechef von Bridgewater: «Fed wird Kurse um weitere 20 Prozent sinken lassen»

Die Fed wird den Aktienmärkten nicht zu Hilfe kommen: Dies sagt Greg Jensen, Co-Anlagechef von Ray Dalios Hedgefonds Bridgewater. Wer glaube, es gehe letztlich weiter wie in den letzten Jahren, sei auf dem Holzweg.
27.01.2022 10:17
Greg Jensen, Co-Anlagechef bei Bridgewater Associates, am WEF in Davos 2015.
Greg Jensen, Co-Anlagechef bei Bridgewater Associates, am WEF in Davos 2015.
Bild: Bloomberg

Greg Jensen, der zusammen mit Ray Dalio und Bob Prince als Co-Anlagechef bei Bridgewater Associates fungiert, glaubt aufgrund der Markt-Unsicherheit wegen der Fed-Geldpolitik an einen Kursrückgang von weiteren 20 Prozent. Damit würde der US-Index S&P 500 auf unter 3500 Punkte fallen, also in etwa auf den Stand vor der Corona-Pandemie vor zwei Jahren. Der S&P 500 schloss am Mittwoch bei 4350 Punkten. 

Die geldpolitischen Verantwortlichen, so Jensen, hätten wenig Grund, einen Ausverkauf zu stoppen, der die spekulativsten Aktien in Mitleidenschaft gezogen und der die Volatilität auf ein 12-Monate-Hoch getrieben habe. In den USA ist die Teuerung auf einem Vier-Jahrzehnte-Hoch, die Arbeitsmarkt-Beteiligung ist gesunken, und die Unternehmen stocken in den Lagern auf, weil die Lieferketten immer noch nicht richtig funktionieren. Und diese Aspekte stehen laut Jensen jetzt im Zentrum.

Fed wird nicht schnell alarmiert sein

"Ein gewisser Rückgang der Vermögenspreise ist aus Sicht der Fed nicht schlecht, also werden sie dies weiter zulassen", sagte Jensen. Er schätzt, dass ein Rückgang von 15 bis 20 Prozent an den Märkten nötig wäre, um die Zentralbank in Alarmbereitschaft zu versetzen. Selbst dies aber würde davon abhängen, wie schnell dem Markt der Boden unter den Füssen weggezogen wird. 

Bislang, so Jensen, sei der der Rückgang der letzten Wochen "grösstenteils gesund" gewesen. Einige Blasen, wie etwa bei Kryptowährungen, seien zum Platzen gekommen. Bridgewater steht allerdings auch eher kritisch zu Bitcoin und Co. Gründer Ray Dalio hat sich immer wieder skeptisch zu Krytos geäussert.

Gemäss dem grössten Hedgefonds der Welt, mit einem Vermögen von rund 150 Milliarden Dollar, ist vieles von dem, was derzeit vonstatten geht, einfach nur Mathematik. Überschüssige Liquidität habe lange die Preise angetrieben. Nun, da der geldpolitische Stimulus zurückgehe, gebe es nicht genug Käufer, um die Differenz auszugleichen. Das Ergebnis ist das, was Jensen ein "Liquiditätsloch" nennt, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen.

Hier berichtet der cash-Börsenticker laufend über das Geschehen an den Börsen.

Wer glaube, dass die Fed doch noch reagiere wie etwa beim letzten Ausverkauf 2018, schätze die Lage falsch sein, so Jensen. Damals lag die Inflation unter dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed und grosse Unternehmen kauften Aktien zurück, anstatt Kapazitäten auszubauen, Vorräte anzulegen und Löhne zu erhöhen. 

Die Welt stehe jetzt an einem Wendepunkt: Seit den 80er Jahren seien Probleme immer durch Lockerung gelöst worden. Länder, die mehr lockerten, schnitten besser ab als die Länder, die weniger lockerten, so Jensen. Zum ersten Mal seit den frühen 1980er Jahren habe sich nun aber die Inflation so stark beschleunigt, dass sie zu einem politischen Thema geworden sei. Jensen erwartet aber auch, dass die politischen Entscheidungsträger genau beobachten werden, ob der Rückgang der Börsenkurse Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen hätten. 

Prognose: Anleihenrenditen von 3,5 bis 4 Prozent

Neben der Zinserhöhung ab März will die Fed auch ihre Bilanz abbauen, die durch Anleihenkäufe stark aufgebläht worden ist. Jensen prognostiziert, dass die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen 3,5 Prozent oder sogar 4 Prozent erreichen wird - von heute weniger als 1,9 Prozent. Erst dann würden viele an den Märkten bereit sind, Staatschulden aufzukaufen, die vorher von der Fed gekauft worden seien. 

Jensen hält nun eine Vorgehensweise im Stil der Stagflation 70er Jahre für angebracht. Anleger müssten ihre Rohstoffbestände erhöhen, US-Aktien zugunsten von internationalen internationalen Aktien abbauen und auf Breakevens zur Inflationsbekämpfung setzen. "Die Erwartung, dass sich das Umfeld weiter so anfühlen wird wie in den vergangenen Jahrzehnten, ist ein grosser Fehler."

(Bloomberg/cash)

 
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