«Noch stärkerer Franken ohne Negativzins»

Die Schweizerische Nationalbank belässt die Negativzinsen auf ihren Girokonten bei 0,75 Prozent. SNB-Präsident verteidigt an einer Medienkonferenz in Bern die Einführung von Strafzinsen.
18.06.2015 10:45
Von Daniel Hügli, Bern
Schweizerische Nationalbank (links) und Bundeshaus in Bern.

Den Zinsentscheid gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) anlässlich ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung bekannt. 

"Insgesamt ist der Franken deutlich überbewertet", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan vor den Medien in Bern. "Hätten wir in der Schweiz keinen Negativzins und damit einen geringere Zinsdifferenz zum Ausland, so wäre die Nachfrage nach Franken noch grösser und unsere Währung noch stärker."

Denn die negativen Zinsen in der Schweiz machten Anlagen in Franken weniger attraktiv und würden über die Zeit zu einer Abschwächung des Franken beitragen, so Jordan weiter. Die SNB bleibe deshalb bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Zum jetzigen Zeitpunkt schliesst Jordan auch die Einführung von Alternativen geldpolitischen Massnahmen wie die Anbindung des Frankens an einen Währungskorb aus.

Im Januar führte die Schweizerische Nationalbank Negativzinsen auf ihren Girokonten ein, um den starken Franken abzuschwächen. Der Zins auf Sichtguthaben beträgt seither minus 0,75 Prozent und wird nicht nun verändert. Das Zielband für den Dreimonats-Libor bleibt weiterhin bei minus 1,25 bis und minus 0,25 Prozent, wie die SNB am Donnerstag ebenfalls bekanntgab. 

Womöglich will sich die SNB die Option einer weiteren Zinssenkung für eine Eskalation der Griechenlandkrise vorbehalten. Diese ist laut Marktbeobachtern momentan nämlich der grösste externe Risikofaktor für die Währungshüter.

Der Entscheid der SNB war von den Märkten erwartet worden. Der Franken bewegte sich am Donnerstag dementsprechend kaum zum Euro. Zuletzt lag das Währungspaar bei 1,0450.

Konjunkturprognose bleibt

Bezüglich Konjunkturentwicklung hält die SNB an ihrer Prognose fest. Sie rechnet weiter mit einem Wirtschaftswachstum 2015 von "knapp 1 Prozent". In den kommenden Monaten dürfte die Erholung der Weltwirtschaft die Nachfrage nach Schweizer Produkten allmählich verstärken. Dies werde den Wechselkursschock etwas abfedern, heisst es. Die anziehende internationale Konjunktur sollte der Schweizer Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder ein positives Wachstum ermöglichen.

"Wir sind uns bewusst, dass die besondere Wechselkurssituation für die Exporteure, den Tourismus sowie Branchen, die der Importkonkurrenz stark ausgesetzt sind, eine schwere Belastung darstellt", so Jordan. "Im heutigen Umfeld gibt es aber keine einfachen Lösungen, die alle Störungen von aussen absorbiert. Einen gewisse Durststrecke für die Wirtschaft ist deshalb unvermeidbar."

Die bedingte Inflationsprognose hat sich gegenüber März "nicht wesentlich verändert". Die Teuerung erreiche laut SNB-Schätzung im dritten Quartal 2015 mit -1,2 Prozent ihren Tiefpunkt. Danach bewirke der gestiegene Ölpreis, dass die neue Inflationsprognose leicht über der Prognose vom März liege, so die SNB.

Die Prognosen für 2015 und 2016 erhöhen sich im Jahresdurchschnitt leicht, und zwar um jeweils 0,1 Prozentpunkte auf -1,0 Prozent für 2015 und auf -0,4 Prozent für 2016. Nach wie vor deute die Prognose darauf hin, dass die Inflation Anfang 2017 wieder positiv werde. Im weiteren Verlauf stellten sich die Inflationsaussichten leicht gedämpfter dar. Für 2017 liegt die Inflationsprognose der SNB um 0,1 Prozentpunkte tiefer bei 0,3 Prozent.

Bei der Bank Safra Sarasin meint man zum Entscheid, die SNB versuche offenbar die Begriffe Rezession und Deflation zu vermeiden. Allerdings würden beide Begriffe nach Ansicht der Ökonomen der Basler Privatbank die aktuelle Situation der Schweiz besser charakterisieren. Beim Franken erwarten die Banker eine Abschwächung auf 1,10, wenn einmal klar sei, dass die Schweiz sich in einer Rezession befinde.

(Mit Material von AWP)