Die beispiellosen Massnahmen sehen unter anderem vor, dass die Region Lombardei mit der Finanzmetropole Mailand bis zum 3. April weder betreten noch verlassen werden darf, wie Ministerpräsident Giuseppe Conte mitteilte. Die Airline Alitalia streicht vom 9. März an alle Flüge vom und zum Flughafen Mailand Malpensa.

Unterdessen starb erstmals ein Deutscher an der Erkrankung: die Behörden in Ägypten erklärten, ein 60-Jähriger Tourist sei in einer Klinik den Virus-Folgen erlegen. In Deutschland selbst hat das Robert-Koch-Institut bislang nur von Infizierten berichtet, nicht aber von Toten. Gleichwohl stieg die Zahl der hierzulande Erkrankten von Samstagmorgen bis Sonntagnachmittag von 684 auf 902, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen (398), Baden-Württemberg (182) und Bayern.

Weltweit liegt die Zahl der Infizierten laut von den jeweiligen Behörden veröffentlichten Daten bei rund 106'000 und die Zahl der Toten bei rund 3000.

Der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml zufolge sind neben vielen mild verlaufenden Fällen auch "zwei, drei Patienten" schwerer erkrankt. Sie unterstütze den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen: "Deshalb empfehlen wir den Veranstaltern und den zuständigen lokalen Behörden ein solches Vorgehen auch für Bayern."

In Rheinland-Pfalz bleibt der Schulstandort Wachenheim an der Weinstrasse auf Anordnung des Gesundheitsamtes ab Montag zunächst für eine Woche geschlossen. Der Grund: Bei einem der mittlerweile 19 bestätigten Infektionsfälle im Land handelt es sich um einen Lehrer, der in Wachenheim arbeitet.

Auch bei BASF ist ein Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden. Der Mann aus Neustadt an der Weinstrasse sei im Werk in Ludwigshafen beschäftigt, teilte der Chemiekonzern mit. Das Gesundheitsamt in Neustadt und BASF nähmen zu den im unmittelbaren Arbeitsumfeld tätigen Mitarbeitern Kontakt auf. Sie sollen wie der Infizierte selbst zu Hause in Quarantäne bleiben.

Italien will Kliniken vor Kollaps bewahren

In Norditalien stehen nun ganze Regionen quasi unter Quarantäne - betroffen sind auch die Städte Venedig, Modena, Parma, Piacenza, Reggio Emilia und Rimini. Die Regierung hatte den Abriegelungsbeschluss gefasst, nachdem sich die Zahl der Infizierten binnen 24 Stunden um mehr als 1200 Personen erhöht hatte. Dies war der dramatischste Anstieg seit die Epidemie vor rund zwei Wochen auf Italien übergegriffen hat. Die Zahl der Toten in Italien stieg von Samstag auf Sonntag von 233 auf 366, die Zahl der Infizierten von 5883 auf 7375.

Laut Dekret bleiben Museen, Kulturzentren, Fitnessstudios, Skigebiete und Schwimmbäder in den betroffenen Gebieten geschlossen. Beschäftigte im Gesundheitssystem dürfen keinen Urlaub nehmen. Es gehe darum, die Viruskrise einzudämmen und die Kliniken vor dem Kollaps zu bewahren, betonte Conte.

Für Bars und Restaurants in den von der Viruskrise betroffenen Regionen gilt: Sie dürfen nur dann bis zum frühen Abend öffnen, wenn sichergestellt ist, dass Gäste untereinander einen Mindestabstand von einem Meter halten. Aus den betroffenen Regionen kam Kritik an der Regierung in Rom auf: Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, sprach von "Massnahmen auf den letzten Drücker", die so kurzfristig nicht umzusetzen seien. Sein Kollege aus der Lombardei, Attilio Fontano, nannte die Massnahmen "ein Durcheinander", auch wenn sie in die richtige Richtung gingen.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis forderte Italien unterdessen auf, seinen Bürgern Reisen durch Europa zu untersagen. "Italien sollte allen seinen Bürgern verbieten, nach Europa zu reisen", sagte Babis im tschechischen Fernsehen. In der Tschechischen Republik gibt es bislang 26 bestätigte Virus-Fälle. Die meisten davon betreffen Personen, die entweder aus Italien kommen oder mit jemandem in Kontakt stehen, der dort gewesen ist.

(Reuters)