Pandemie - «Lockdownistas»: Analysten sorgen für peinlichen Zwischenfall bei Skandinaviens grösster Bank

Die Nordea Bank hat eine umstrittenes Papier zurückgezogen, in dem hochrangige Analysten der Bank Regierungen lächerlich machten.
27.11.2021 03:04
«Lockdownistas»: Analysten sorgen für peinlichen Zwischenfall bei Skandinaviens grösster Bank
Bild: ZVG

Im Papier bezeichneten Analysten Regierungen, die gegen die Covid-19-Pandemie kämpfen, als “Lockdownistas” und stellten die Wirksamkeit von Impfstoffen in Frage. Nordea, die grösste Bank Skandinaviens mit Hauptsitz Helsinki, sagte am Mittwoch, sie habe eine interne Untersuchung zu dem Papier eingeleitet und es von ihrer Website entfernt. Die am Sonntag veröffentlichte Analyse mit dem Titel "Nordea weekly: Papers please, and how to trade them!" sorgte auf Twitter für Aufsehen, nachdem ein finnischer Parlamentarier sie kritisiert hatte.

Die aktuelle Situation habe sich entwickelt hin zu Forderungen wie "sperrt die Ungeimpften ein (oder Schlimmeres)", schrieben Chief Analyst Martin Enlund und Global Chief Strategist Andreas Steno Larsen in der Notiz. "Der Impfstoff ist anscheinend so gut, dass man die Leute dazu zwingen muss, ihn zu nehmen."

Sie bezogen sich in dem Papier darüber hinaus auch auf die Nürnberger Prozesse gegen Nazigrössen und legten nahe, Booster-Impfungen könnten die Übertragung des Coronavirus erhöhen. 

Analysten kommen immer wieder wegen kontroverser Äusserungen mit ihren Arbeitgebern in Schwierigkeiten. Im September hatte der Analyst Jan Schildbach von den Deutschen Bank der Bafin "Defizite bei der Aufsichtskultur und Mitarbeiterqualifikation" attestiert und die Riester-Rente als "gescheitert" bezeichnet. CEO Christian Sewing hatte sich daraufhin bei Bafin und Finanzministerium entschuldigt.

Vor zwei Jahren hatte die UBS ihren Chefökonom wegen Bemerkungen zu Schweinefleisch in China vorübergehend beurlaubt. Die Commerzbank hatte eine Notiz ihrer Analystin zu Wirecard zurückgezogen, nachdem diese die Berichterstattung der Financial Times über das Unternehmen als “Fake News” abgetan hatte.

Unglücklicherweise im Ton vergriffen

Nordea erklärte unterdessen auf Twitter, die in der Publikation vertretenen Ansichten spiegelten nicht die offizielle Haltung der Bank wider und die Autoren hätten sich unglücklicherweise im Ton vergriffen. Larsen lehnte einen Kommentar ab, während ein Anruf auf Enlunds Handy unbeantwortet blieb.

Beide arbeiten bereits rund ein Jahrzehnt für Nordea und kritisieren auf Twitter regelmässig Reaktionen auf die Pandemie, posten mit Memes gespickte Charts und verwenden Hashtags wie #dumbflation. Ein Tweet von Enlund wertet die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn, er könne einen Lockdown nicht ausschliessen, sinngemäss als bescheuert.

In einer Diskussion um den Schweizer Franken vertrat Larsen die Position, es sei schwer für die Schweizerische Nationalbank, gegen die mit Polizeistaats-Methoden arbeitende deutsche Covid-Politik anzukämpfen.

Das Duo schreibt auch eine wöchentliche Notiz bei Nordea, in der sie sprachlich kreativ sind und oft ungewöhnliche Ausdrücke verwenden. Am 31. Oktober veröffentlichten sie ein Stück mit dem Titel “AAAAAAAAAAAH!” Den russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichneten sie als Zaren und fragten ein anderes mal: "Wie viele Kubikmeter Erdgas ist der Donbass wert?"

In der Notiz vom Sonntag gaben Empfehlungen zur Handelsstrategie im Zusammenhang mit der offiziellen Pandemiepolitik der Regierungen weltweit: Investoren sollten gegen die Ratschläge von Experten wie den obersten US-Epidemiologen Anthony Fauci wetten:  

"Fauci und seine europäischen Amtskollegen zu shorten, war während der gesamten Pandemie eine 100%ige Erfolgsstrategie und dies bleibt unserer Meinung nach der Fall. Die Lockdownistas sind wieder am Drücker", schrieben sie.

(Bloomberg)