Politik  - «Bösartiges Verhalten Russlands»: US-Botschaft fordert Stopp für Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

Die US-Botschaft in Berlin hat die Bundesregierung aufgefordert, einen vorübergehenden Stopp der Bauarbeiten an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 zu erwirken.
05.12.2020 14:45
US-Fahne an der amerikanischen Botschaft in Berlin.
US-Fahne an der amerikanischen Botschaft in Berlin.
Bild: cash

"Jetzt ist der Zeitpunkt für Deutschland und die EU, ein Moratorium für den Bau der Pipeline verhängen", sagte die geschäftsführende US-Botschafterin, Robin Quinville, dem "Handelsblatt". Dies würde ein deutliches Zeichen setzen, dass Europa "das anhaltende bösartige Verhalten Russlands nicht länger hinnimmt". Die Pipeline sei nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, "sondern das politische Werkzeug des Kremls, um die Ukraine zu umgehen und Europa zu spalten".

Unterdessen hat am Samstag nach Refinitiv-Daten das russische Rohrleger-Schiff "Akademik Chersky" in unmittelbarer Nähe der Pipeline-Baustelle in der Ostsee gestoppt. Vergangenen Dezember hatte sich ein niederländisch-schweizerisches Konsortium von dem Bau der Pipeline zurückgezogen, nachdem die USA mit Sanktionen gedroht hatten. Die Hafenbehörde im Ostseehafen Stralsund hat bekannt gegeben, dass am Samstag die Arbeiten wieder aufgenommen werden sollten.

Nord Stream 2 ist die zweite Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland, sie soll russisches Erdgas nach Westeuropa bringen. Die Regierung des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump begründet ihre Ablehnung der Pipeline mit der Furcht, dass die Europäer sich von russischen Lieferungen abhängig machen würden. Zugleich wollen die USA eigenes Erdgas nach Europa verkaufen. Russland dringt auf die Fertigstellung der Pipeline. Deutschland hat wiederholt Drohungen der USA mit Sanktionen gegen den Bau der Leitung zurückgewiesen.

Hinter dem Pipeline-Projekt steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen, wie Wintershall Dea, OMV sowie Uniper, Royal Dutch Shell und Engie.

(Reuters)