PostAuto-Direktor Landolf: CarPostal stört Konkurrenz in Frankreich

Bern (awp/sda) - Daniel Landolf, Direktor von PostAuto Schweiz, gibt sich zuversichtlich, dass die Justiz in Frankreich die Beschwerde gegen ein Urteil des Handelsgerichts Lyon gutheissen wird. Gemäss diesem Urteil verfälscht die PostAuto-Tochter CarPostal France den Wettbewerb. Sie müsste Schadenersatz in Millionenhöhe bezahlen.
27.12.2016 13:04

Er könne sich nicht vorstellen, dass die Beschwerde gegen dieses Urteil von Ende September abgewiesen werde, sagte Daniel Landolf in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Le Temps". Das Freihandelsabkommen von 1972 mit der EU, auf das sich das Gericht berufe, betreffe den Personentransport nicht.

Für die Aktivitäten von PostAuto in Frankreich könne es deshalb nicht angewendet werden. Die französische Tochter von PostAuto Schweiz habe weder Staatshilfen erhalten noch den Wettbewerb verfälscht.

"BETRAG WÜRDE NEU BERECHNET"

Sollte das Urteil jedoch bestätigt werden, würde die laut Einschätzung von Landolf übermässige Schadenersatzsumme neu berechnet. Das Urteil aus Lyon sieht Schadenersatzzahlungen von zusammen 10,6 Mio EUR an drei französische Transportunternehmen vor.

Auswirkungen für andere laufende Verträge oder die Lizenz für CarPostal France befürchtet Landolf nicht. Denn das Urteil aus Lyon beziehe sich lediglich auf die Ausschreibung im Departement Isère.

Das Handelsgericht in Lyon war zum Schluss gekommen, dass CarPostal France gegen den freien Wettbewerb im öffentlichen Verkehr im Sinne des Freihandelsabkommens verstosse. Die Post gehöre dem Bund und damit profitiere auch die französische Tochter von Subventionen, argumentierte es. PostAuto Schweiz zog das Urteil weiter.

In Landolfs Augen zeigt die Angelegenheit, dass PostAuto die in ihren Gebieten niedergelassenen französischen Anbieter stört. Aussagen, wonach CarPostal defizitär sei, widerspricht er: "Unsere Geschäfte rentieren seit 2012."

SEIT 2004 IN FRANKREICH

Anschuldigungen wegen Preisunterbietungen weist er zurück: Das Unternehmen wolle Geld verdienen und nicht von Jahr zu Jahr Verluste schreiben, wie das mit Dumpingpreisen der Fall wäre. PostAuto respektiere die französische Gesetzgebung und die vom Bundesrat gesetzten Ziele - nämlich keine zu grossen Risiken einzugehen und nachhaltig rentabel zu sein.

PostAuto Schweiz ist über die Tochtergesellschaft seit 2004 in Frankreich tätig und baute das Angebot in den letzten Jahren laufend aus. CarPostal France betreibt acht Stadtnetze sowie Regionalverkehrslinien. Das Unternehmen beschäftigt knapp 900 Personen und hat 630 Fahrzeuge im Einsatz.

(AWP)