Regulierung - Archegos-Debakel könnte zum Eigentor für die Banken werden

Der Zusammenbruch von Archegos, der die betroffenen Banken rund 10 Milliarden Dollar kosten dürfte, beschäftigt auch die Bankenaufsicht. Weitere Kontrollen für die Bankenindustrie dürften die Folge sein.
17.04.2021 19:00
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Hier treffen sich die Mitglieder des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht.
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Hier treffen sich die Mitglieder des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht.
Bild: cash

Für Carolyn Rogers, die Generalsekretärin des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, in dem sich die Aufseher der wichtigsten Volkswirtschaften koordinieren, ist jedenfalls klar, dass der Fall Lücken bei den Berichtspflichten der Banken offenbart hat. Archegos, der als Family Office firmierende Hedge-Fonds von Bill Hang, war über verschiedene Banken gigantische und komplexe Wetten auf Aktien eingegangen, die bis zuletzt unsichtbar blieben.

"Offenlegung war ein Problem", sagte Rogers in einem Interview mit Bloomberg News. Die involvierten Banken - unter anderen Nomura und Credit Suisse - konnten sich "kein vollständiges Bild über das gesamte Engagement dieses Kunden machen", sagte sie. Die Deutsche Bank kam bekanntlich durch einen Blitzverkauf in letzter Sekunde gerade noch davon.

Zwar sei es zu früh, um eine spezifische regulatorische Antwort zu formulieren, der Basler Ausschuss werde jedoch wahrscheinlich mehr Augenmerk auf strukturierte Finanzprodukte und Total Return Swaps legen. Das Gremium legt Prinzipien der Aufsicht fest, an die sich ihre Mitglieder im Interesse globaler Zusammenarbeit halten. 

US-Börsenaufsicht SEC unter Druck

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1974 von den Präsidenten der G10-Notenbanken gegründet. Dem Ausschuss gehören Vertreter der nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus 28 Jurisdiktionen an. Der Ausschuss tritt in der Regel bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel zusammen.

“Ein Fall wie dieser mit Verlusten dieser Grössenordnung bei mehreren globalen Banken, die alle auf einen einzelnen Kunden oder eine einzelne Transaktion zurückzuführen sind, wird immer am Tisch des Basler Ausschusses diskutiert", sagte Rogers.

Während sich der Basler Ausschuss mit der Seite der Banken beschäftigt, sieht sich die US-Börsenaufsicht SEC unter Druck, die Swap-Regeln zu überprüfen, die die Händler zu Transparenz verpflichten sollen. Auch ein Jahrzehnt nach Einführung des Dodd-Frank-Gesetzes in den USA sind Datenstandards noch nicht vollständig umgesetzt.

(Bloomberg)