Schneider-Ammann wünscht sich deutlich schwächeren Franken

Bundesrat Schneider-Ammann wünscht sich einen schwächeren Franken. Seit Aufhebung des Mindestkurses hätten viele KMU ihre Margen geopfert, "um am Markt zu bleiben". Doch nun investierten sie weniger. Das sei langfristig eine Gefahr für die Wirtschaft.
15.01.2017 12:48

"Weil die Investitionsfähigkeit mancher KMU gelitten hat, könnte die volle Rechnung des Franken-Schocks verzögert kommen", sagte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann in einem am Samstag erschienenen Interview der "Neuen Zürcher Zeitung". Die Schweizer Wirtschaft habe den Franken-Schock noch nicht verarbeitet.

Notiere der Euro weiter auf dem Niveau von rund 1,07 Franken, drohe eine Verlagerung von Geschäften ins Ausland. "Viele Unternehmen schlagen sich mit solchen Gedanken herum."

Franken-Abschwächung erwünscht

Bisher habe sich die Schweizer Wirtschaft erstaunlich gut geschlagen, gerade die Exportindustrie hat den Wirtschaftsminister mit ihrer Widerstandskraft überrascht. Doch Schneider-Ammann treibt die Frage um, wie lange diese noch widerstehen kann und wünscht sich deshalb eine Abschwächung des Schweizer Frankens zum Euro.

"Die Mitte zwischen der Kaufkraftparität und dem jetzigen Kursniveau - also eine Grössenordnung von etwa 1,15 Franken - erschiene wohl auch für die meisten KMU als tragbares Niveau, das längerfristig wieder Investitionen erlauben würde", sagte er.

Unia-Appell an SNB

Sukkurs erhält der Wirtschaftsminister von der Gewerkschaft Unia. Sie forderte in einer Mitteilung vom Sonntag die Schweizerische Nationalbank (SNB) dringend auf, sich stärker gegen die andauernde Aufwertung des Frankens zu wehren. Ziel müsse es sein, den Franken gegenüber dem Euro möglichst rasch bei mindestens 1,15 pro Euro zu halten.

Vor genau zwei Jahren habe die SNB völlig unvermittelt den Mindestkurs des Franken aufgegeben. Dieser fatale Entscheid habe Zehntausende von Arbeitsplätzen gekostet und die Arbeitslosigkeit in der Schweiz verschärft, stellt die Gewerkschaft fest.

Schneider-Ammann erklärte, dass seit dem Franken-Schock vor zwei Jahren in den gewerblich-industriellen Sektoren etwa 7000 Arbeitsplätze verloren gegangen seien. "Das war schmerzhaft", so Schneider-Ammann.

Er habe aber grosses Vertrauen in die SNB und ihre Politik, betonte der Bundesrat. Die SNB hatte am 15. Januar 2015 den Mindestkurs des Frankens in Höhe von 1,20 Franken gegenüber dem Euro aufgegeben.

(AWP)