Schweizer Börse dementiert - SIX will keine EU-Börse kaufen

Die SIX Group plant keine Zukäufe von Börsen. Vielmehr suche die Gruppe weiterhin nach möglichen Übernahmekandidaten im Bereich der Finanzinformationen.
16.08.2019 10:40
Händler aus EU-Ländern sind an der Schweizer Börse nach Kündigung der Börsenäquivalenz nicht mehr willkommen.
Händler aus EU-Ländern sind an der Schweizer Börse nach Kündigung der Börsenäquivalenz nicht mehr willkommen.
Bild: cash

Das sagte ein Sprecher der Schweizer Börsenbetreiberin am Freitag auf Anfrage von AWP zu einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bloomberg hatte am Donnerstag unter Berufung auf "gut informierte Kreise" berichtet, dass die Börsenbetreiberin SIX Swiss Exchange den Kauf einer europäischen Börse erwäge, sollte sich der Verlust der EU-Börsenanerkennung länger hinziehen oder die Situation verschärfen. Die Rede war von der spanischen Bolsas y Mercados Espanoles SA oder der Wiener Börse.

Kein Bedarf für Börsenzukäufe

"Wir sind sehr zufrieden mit den Schutzmassnahmen, die der Bundesrat mit Blick auf den Verlust der EU-Börsenanerkennung festgelegt hat und wissen von keiner möglichen Eskalation in der Äquivalenzdebatte", erklärte der SIX-Sprecher nun gegenüber der AWP. Es gebe für die SIX "keinen Bedarf", im Bereich der Börsen zuzukaufen, ergänzte er.

Anorganisches Wachstum, also Wachstum über Zukäufe, strebt die Gruppe hingegen im Finanzdatengeschäft an. Das bestätigte CEO Jos Dijsselhof vergangenes Wochenende in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag".

Das Datengeschäft soll gemäss Dijsselhof ausgebaut und laufend neue Dienstleistungen lanciert und zugekauft werden. "Wir können ohne weiteres Akquisitionen im Bereich von 1 Milliarde Franken tätigen", sagte er gegenüber der Zeitung. Darüber hinaus bietet eine Senkung der 3 Milliarden schweren Beteiligung an der Firma Worldline weiteren finanziellen Spielraum.

Faustpfand SIX

Die EU hatte Ende Juni im Streit um das Rahmenabkommen mit der Schweiz die Börsenäquivalenz der Schweizer Börse auslaufen lassen. Hintergrund der Auseinandersetzung sind die seit 2014 dauernden Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über ein institutionelles Rahmenabkommen. Die Börsenäquivalenz wurde nun als Druckmittel eingesetzt.

Weil die Schweizer Börsenregulierung von der EU nicht mehr als gleichwertig anerkannt wird, ist seither Marktteilnehmern aus der EU der Aktienhandel an der Schweizer Börse verboten. Der Bundesrat hatte mit Gegenmassnahmen reagiert und den Handel von Schweizer Aktien in der EU untersagt.

(AWP)