Schweizer wollen Managerlöhne begrenzen

Drei von vier Schweizern sprechen sich für eine Lohnobergrenze aus. Ob das der 1:12-Initiative zum Erfolg verhilft, erläutert Vergütungsexperte Stephan Hostettler im cash-Video-Interview.
27.08.2013 15:33
Von Ivo Ruch
Stephan Hostettler, Managing Partner von hkp.
Bild: cash

In knapp 90 Tagen stimmt die Schweiz über die 1:12-Initiative der Jungsozialisten ab. Diese fordert, dass der höchste Lohn eines Unternehmens das Zwölffache des tiefsten Gehalts nicht überschreitet. Und je näher der Abstimmungstermin rückt, desto mehr scheint der Rückhalt, den die Initiative in der Stimmbevölkerung geniesst, zu bröckeln.

Zu dieser Aussage kommt jedenfalls eine repräsentative Studie zum Thema Managersaläre, die seit 2009 jährlich vom Beratungsunternehmen Hostettler, Kramarsch und Partner (hkp) durchgeführt wird. "Die Ausgangslage der Initiative hat sich geändert", sagt Mitinhaber und Vergütungsexperte Stephan Hostettler im cash-Video-Interview. So ist laut Studie erstmals seit vier Jahren nur noch 47 Prozent der Befragten dafür, dass der Staat die Vergütungshöhe regeln soll. In den Vorjahren betrug der Ja-Anteil jeweils noch rund 60 Prozent.

Eine Million Franken als Höchstlohn bevorzugt

Auf breite Zustimmung stösst - wie im Vorjahr - hingegen eine grundsätzliche Deckelung der Managersaläre. 75 Prozent würden eine Lohnobergrenze begrüssen. "Allerdings in einer differenzierten Art und Weise", präzisiert Hostettler. Geht es nämlich um eine konkrete Höhe der Gehälter, herrscht keine Einigkeit. Die Bandbreite reicht von 100'000 bis 20 Millionen Franken Jahreslohn; mit 27 Prozent wurde ein Höchstlohn von einer Million Franken am meisten genannt.

Die bevorstehende 1:12-Initiative ist nach der Abzocker-Initiative vom vergangenen März bereits die zweite Abstimmung des Jahres, die sich um Vergütungen von Managern dreht. Trotz des Erfolgs der "Anti-Abzocker" ist das Interesse am Thema Managersaläre unvermindert hoch. Laut hkp-Studie gibt 55 Prozent der Befragten an, dass sie dieses Thema zurzeit beschäftige.

Was das für die Chancen der 1:12-Initiative und die bereits eingereichte Mindestlohn-Initiative heisst, kann auch die hkp-Studie nicht abschliessend beantworten. Auf dem Weg zu faireren Salären fühlten sich die Schweizer allerdings einen Schritt weiter, wie Hostettler bemerkt: "Seit der Annahme der Minder-Initiative hat die Hälfte der Schweizer Bevölkerung das Gefühl, dass es gerechtere Löhne geben wird." Ob damit der Ruf nach dem Staat als Lohn-Regulator verhallt oder nicht, entscheiden die Schweizerinnen und Schweizer am 24. November an der Wahlurne.
 

Im cash-Video-Interview verrät Vergütungsexperte Stephan Hostettler zudem, wer seiner Meinung nach über Vergütungen eines Unternehmens bestimmen sollte.