Sinken nun die Mieten?

Die Folgen des Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative könnten sich nicht nur auf Hausbesitzer, sondern auch Wohnungsmieter auswirken. Experten geben eine erste Lageeinschätzung ab.
10.02.2014 13:11
Von Frédéric Papp
Hierzulande rechnen Experten mit eher sinkenden Immobilienpreise und Mietzinsen.

Mit der äusserst knappen Annahme der Volksinitiative gegen Masseneinwanderung wurden Bundesrat und die Mehrheit des Parlaments auf dem falschen Fuss erwischt. Der Bundesrat muss nun den Willen des Schweizer Stimmvolks nach Brüssel tragen und die Personenfreizügigkeit durch ein Kontingentsystem ersetzen. 

Das Ja zur Initiative wird auch den Immobilienmarkt in Bewegung versetzen. "Mit einer unmittelbaren Reaktion ist zwar nicht zu rechnen, mittelfristig werden die Preise für Wohnimmobilien aber sinken", sagt UBS-Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt, zu cash.

Die Zuwanderung gilt als einer der Haupttreiber der Immobilienpreise. Seit der Annahme der Personenfreizügigkeit 2002 sind in die Schweiz jährlich 85'000 Personen eingewandert. Mit der Annahme der Initiative ist damit zu rechnen, dass die Zuwanderung signifikant gedrosselt wird.

Tiefere Mietzinsen?

Auch auf die Mietpreise wird die Drosselung der Einwanderung Auswirkungen haben. Laut Immobilienspezialist Robert Weinert ist in den kommenden Jahren mit tieferen Preisanstiegen oder leicht sinkenden Preisen bei den angebotenen Mietwohnungen zu rechnen, sagt der Leiter des Immo-Monitorings bei Wüest & Partner.

Dies gelte, so Weinert weiter, insbesondere für Regionen die überdurchschnittlich viele Zuwanderer aufgenommen hätten. Besonders betroffen sind laut dem Experten auch periphere Lagen, wo in den letzten Jahren viele neue Wohneinheiten entstanden sind. "Der zurückgehende Verdrängungsdruck aus den Zentren schmälert die Nachfrage nach den neuen Wohnungen", sagt Weinert.

Ein Nachfragerückgang und damit ein Wertverfall von Häusern und Wohnungen hat laut der Immobilienberatungsfirma Jones Lang LaSalle auch Auswirkungen auf die Pensionskassen, die einen grossen Teil der Vorsorgegelder in Immobilien investiert haben. Zuallererst wären Bauten in Randgebieten betroffen, sagt LaSalle gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

Das grösste Immobilienportfolio der Schweiz besitzt der Lebensversicherer Swiss Life. Dieses umfasst Immobilien im Wert von 15,6 Milliarden Franken. Offenbar sind sich die Aktionäre über die Folgen noch uneins. Der Aktienkurs pendelt am Montag zwischen minus 0,8 und plus 0,2 Prozent.

Die von cash befragten Experten betonen, dass eine genauere Entwicklung der Immobilien- und Mietpreise hierzulande primär von der Ausgestaltung der Kontingente, dem Zeitpunkt der Inkraftsetzung und der künftigen Bautätigkeit abhängt.

Unsicherheit im Immobiliensektor nimmt zu

Weinert führt noch einen weiteren Aspekt ins Feld: "Neben dem Rückgang der Nachfrage ist die Unsicherheit, welche durch die Annahme der Initiative nun im Immobiliensektor geschürt wurde, problematisch."

Erste Bankanalysten haben bereits reagiert. So hat die Zürcher Kantonalbank am Montag in einem Marktkommentar die Aktien der beiden Immobilienentwickler Mobimo und Allreal von "Marktgewichten" auf "Untergewichten" zurückgestuft. Sie befürchten, dass die Annahme der Volksinitiative die Begrenzung der Zuwanderung das Wohnimmobilienentwicklungsgeschäft der beiden Unternehmen bremsen könnte.

Die Titel liegen entgegen dem Gesamtmarkt zwischen 0,5 und 2 Prozent zurück. Auch Baufirmen wie Implenia zeigen am Montag deutliche Abgaben.