Skandal-Firma - Merkels Berater half Wirecard zu weitreichenden China-Kontakten

Der wirtschaftspolitische Berater im deutschen Kanzleramt, Lars-Hendrik Röller, ist im Fall von Wirecard gleich an zwei Fronten aktiv geworden.
13.01.2021 06:36
Noch immer der Sitz von Angela Merkel: Das Bundeskanzleramt in Berlin.
Noch immer der Sitz von Angela Merkel: Das Bundeskanzleramt in Berlin.
Bild: Pixabay

Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat er und seine Abteilung die China-Reise 2019 vorbereitet und Merkel Informationen zur geplanten Wirecard-Expansion zukommen lassen. Und für die chinesische Firma Mintech, die er durch seine Frau kannte, hat er eine Verbindung zu dem deutschen Bezahldienstleister hergestellt. Das erklärte Röller am Dienstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss geht der Frage eines möglichen politischen und aufsichtspraktischen Versagens im Wirecard-Skandal nach und wirft dabei auch ein Schlaglicht auf die politische Lobbyarbeit.

Merkels Wirtschaftsberater hat den Einsatz der Kanzlerin für Wirecard in China verteidigt, da Wirecards Anliegen "100 prozentig" mit den deutschen Interessen in China im Einklang gestanden habe. "Ich mache das jetzt zehn Jahre lang, und es war damals ein völlig klarer Fall, dass das reingepasst hat", sagte Röller. "Wir hatten keine Informationen über schwere Unregelmäßigkeiten," fügte er hinzu.

Merkel hatte im September 2019 in China für Wirecard und deren geplante Übernahme des chinesischen Unternehmens AllScore Payment Services geworben. "Der Kanzlerin ist empfohlen worden, bestimmte Themen anzusprechen, und sie entscheidet, welche Themen sie ansprechen will. Das ist alles ganz normal", so Röller. Die Financial Times habe zuvor zwar über Unregelmäßigkeiten berichtet, andere Medien hätten Wirecard jedoch als "Erfolgsgeschichte und Opfer" dargestellt, erklärte Röller.

"Wir gehen davon aus, dass Dax-Unternehmen geprüft sind und keine kriminellen Aktivitäten entwickeln", sagte Röller. "Es gab damals keinen Grund, bösgläubig zu sein", meint Röller. "Aus heutiger Sicht sehe ich das alles anders."

(Bloomberg)