«Sonst haben wir ein Problem mit den Jobs»

Um Wohlstand und Arbeitsplätze zu erhalten, muss in Zürich eine digitale Revolution stattfinden, warnt Ständerat Ruedi Noser im cash-Interview. Das betrifft ganz besonders die Finanzbranche.
29.01.2016 10:10
Interview: Ivo Ruch

cash: Ruedi Noser, Sie engagieren sich für die Initiative DigitalZurich2025, die Zürich zu einem Standort digitaler Innovationen machen will. Warum ist Zürich dafür der richtige Ort?

Ruedi Noser: Es ist eine digitale Revolution im Gange. Das ist eine Service-Revolution, wie man am Beispiel von Uber sehen kann. Zürich ist das Dienstleistungszentrum der Schweiz, wenn nicht gar von Europa. Deshalb muss die digitale Revolution in Zürich stattfinden. Sonst haben wir hier ein Problem mit dem Wohlstand und mit den Arbeitsplätzen.

Welche Gefahren gibt es für dieses Projekt?

Eigentlich keine. Bis auf die typische Schweizer Krankheit, dass man zu eifersüchtig aufeinander ist. Die digitale Revolution verlangt eine gute Idee, aber auch die Freude an anderen guten Ideen. Und kein Konkurrenzdenken im Sinne von 'meine Idee ist besser als deine'. Die digitale Revolution ist nur möglich mit einer gewissen Grosszügigkeit. Aber die Schweizer sind ab und zu Neider. Und hier sehe ich die Aufgabe von DigitalZurich2025. Wir müssen eine Grosszügigkeit ins Ökosystem Zürich hineinbringen.

Und das findet Parteien übergreifend statt?

Das hat gar nichts mit Parteien zu tun. Mein SP-Kollege Daniel Jositsch und ich wären diesbezüglich gleicher Meinung.

Welche Industrien werden sich im Zuge dieser Revolution am meisten verändern?

Wenn die Finanzbranche diese Revolution nicht mitmacht, wird sie verschwinden. Ich kann keinen Zeitraum benennen, aber es ist ganz klar, dass die Algorithmen sehr mächtig werden. Und solche globalen Algorithmen werden viele Tätigkeiten übernehmen, die heute im persönlichen Kontakt stattfinden. Die Frage ist, wer hat diese Programme? Für mich ist klar, sie müssen aus Zürich kommen und nicht aus dem Silicon Valley.

Traditionellerweise überleben nur ganz wenige Startups. Wieso soll das in diesem Fall anders sein?

Die Ausfallrate hat keine Priorität. Priorität muss sein, mehr Ideen von aussen nach Zürich zu bringen. Wozu das im konkreten Fall führt, ist mir im Moment egal. Wichtig ist, dass wir keinen Ideenabfluss aus Zürich haben, sondern einen Zufluss. Aus diesem Grund engagiere ich mich mit DigitalZurich2025 und der Kick Foundation auch beim Kickstart Accelerator. Das ist ein Startup Programm, das diesen Sommer zum ersten Mal internationale Startup-Teams für drei Monate nach Zürich holt, und sie beschleunigt, in dem wir sie mit der Schweizer Wirtschaft und dem lokalen Innovationsökosystem vernetzen.

Wie könnten sich solche Ideen auf die Volkswirtschaft auswirken?

Jede Volkswirtschaft, die Ideen anziehen konnte, hat sich positiv entwickelt. Wir befinden uns im Jahrzehnt der Talente und nicht mehr im Jahrzehnt von Gut, Boden und Kapital. Wenn wir die richtigen Talente nach Zürich holen, können wir guten Mutes in die Zukunft blicken.

Welches sind die Hauptkonkurrenten von Zürich?

Der europäische Wettbewerb wird zwischen Städten und nicht zwischen Ländern stattfinden. Zürich steht in Konkurrenz zu Paris, Berlin, Lyon oder München. Es geht darum, wo man sich mit seinen Ideen wohlfühlt und wo man mit seiner Familie hinziehen möchte. Niemand hat ein Problem, seinen Lebenspartner davon zu überzeugen, nach Zürich zu kommen.

Ruedi Noser (*1961) sitzt für den Kanton Zürich im Ständerat und führt seit 1996 als Alleininhaber die Noser Gruppe, die im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik tätig ist. Zudem unterstützt Noser als Experte die Initiative DigitalZurich2025. Diese wurde von Ringier-CEO Marc Walder ins Leben gerufen und will Zürich zu einem Hub digitaler Innovationen machen.