Spritmangel in Kuba - Havanna macht USA verantwortlich

Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel hat Kraftstoffengpässe auf der sozialistischen Karibikinsel angekündigt. Vor allem mangele es an Diesel, sagte er am Mittwochabend (Ortszeit) im staatlichen Fernsehen. Der Präsident machte dafür verschärfte Sanktionen der USA verantwortlich. Washington setze Reedereien unter Druck, um die Versorgung der rund elf Millionen Einwohner zählenden Insel per Schiff zu verhindern. So werde es bis zum 14. September keine neuen Diesel-Lieferungen geben. Für Oktober seien die Lieferungen dagegen garantiert.
12.09.2019 08:13

Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln gebe es aber nicht, betonte Díaz-Canel. Die Diesel-Reserven sollen zur Stromversorgung der Haushalte benutzt werden. Einige wirtschaftlichen Aktivitäten mit hohem Stromverbrauch sollen eingeschränkt werden. Es könne sein, dass der vorübergehende Mangel zu Engpässen beim öffentlichen Nahverkehr, dem Warentransport und der Stromerzeugung auf der auch bei Touristen beliebten Insel führe.

"Wir befinden uns nicht in einer Sonderperiode. Und so, wie wir in den vergangenen Jahren gearbeitet haben, sollte dies auch nicht dahin führen", sagte Díaz-Canel. Als "Sonderperiode" wurde die grosse Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre bezeichnet. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gehe mit grösserer Aggressivität gegen Kuba vor, beklagte Díaz-Canel.

Trump hat die Lockerungspolitik seines Vorgängers Barack Obama gegenüber Kuba zurückgedreht. Begründet wird dies mit der "Unterdrückung der Menschen Kubas" und der Unterstützung Kubas für Venezuelas umstrittenen Präsidenten Nicolás Maduro. Die schwere Krise in dem südamerikanischen Land hat auch Kuba getroffen. Die Karibikinsel erhält von Venezuela Öl im Austausch für die Dienste entsandter Ärzte und verkauft dieses, um sich Devisen zu beschaffen. Die Öllieferungen sind aber stark zurückgegangen./gn/DP/jha

(AWP)