«Stehen in Konkurrenz zu allen Airlines»

Qatar Airways gehört zu den erfolgreichsten Airlines - und zu den umstrittensten. Im Interview spricht Schweiz-Chefin Morena Bronzetti über neue Passagierjets, Vorwürfe der Konkurrenz und LED-Fensterverdunkelung.
16.12.2015 14:33
Interview: Marc Forster
Morena Bronzetti leitet für Qatar Airways die Ländergesellschaften Schweiz, Italien und Malta.
Morena Bronzetti leitet für Qatar Airways die Ländergesellschaften Schweiz, Italien und Malta.
Bild: ZVG

Qatar Airways ist aktuell eine der am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften der Welt mit mehr als 330 Flugzeugbestellungen im Wert von über 70 Milliarden Dollar. Die Golf-Airline ist ein wichtiger Kunde für die beiden grossen Passagierflugzeugbauer Airbus und Boeing und setzt gerne auch Fluggerät der neuesten Generation ein.

Zu den etablierten Fluggesellschaften in Europa, Nordamerika und Asien, dazu gehört die Swiss, sind die Golf-Carrier – neben Qatar Airways sind auch Emirates und Etihad Airways aus den Vereinigten Arabischen Emiraten im Markt – heute eine ernstzunehmende Konkurrenz, vor allem auf Strecken nach Asien, Australien und dem östlichen und südlichen Afrika.

Qatar Airways ist als einzige der drei Golf-Airlines Mitglied einer Luftallianz und gehört zu One World, fungiert also auch als Netzwerkpartner für British Airways, Qantas und andere Fluggesellschaften. Im cash-Interview äussert sich Morena Bronzetti, Länderchefin für die Schweiz, Italien und Malta, zu aktuellen Themen der Fluggesellschaft.

cash: Ihr Konkurrent Emirates fliegt seit Anfang Oktober mit dem weltgrössten Passagierflugzeug Airbus A380 zwei Mal am Tag die Strecke Zürich-Dubai. Wie gestaltet sich der Konkurrenzkampf innerhalb der drei Golfstaaten-Airlines Qatar Airways, Emirates und Etihad Airways?

Morena Bronzetti: Qatar Airways versteht sich als globaler Carrier – wir bedienen 152 Destinationen auf sechs Kontinenten. Insofern stehen wir im Wettbewerb zu sämtlichen Netzwerk-Airlines der Welt – und nicht nur zu unseren Mitbewerbern aus dem Mittleren Osten. Wir versuchen laufend, neue Kunden für uns zu gewinnen: durch den Service in der Luft und mit einem modernen Hub, dem erst im letzten Jahr eröffneten Hamad International Airport in Doha. Dort sollen Passagieren möglichst rasch umsteigen können.

Auf der 'Kangaroo Route' von Europa nach Asien und Australien ist Qatar Airways heute ein Konkurrent der etablierten Airlines, auch der Swiss. Gibt es Pläne, auf weiteren Routen oder Angeboten auszubauen?

Qatar Airways ist interessant für Gäste, die nach Australien reisen wollen. Deshalb bedienen wir seit längerem täglich die Schlüssel-Destinationen Perth und Melbourne. Neu kommt nächstes Jahr Sydney dazu. Eben erst haben wir auch die Lancierung der neuen Route nach Adelaide für nächstes Jahr angekündigt, die erste Destination, die wir mit dem Airbus A350 anfliegen, auch hier täglich. Total kommen wir so auf 28 wöchentliche Verbindungen nach Australien aktuell. Weitere Routen werden laufend geprüft.

Wie geht Qatar Airways mit dem Vorwurf um, dass sie bei tieferen Preisen und besseren Bedingungen durch die staatliche Eignerschaft einen unfairen Wettwerbsvorteil ausspiele? US-Airlines haben dies zuletzt ziemlich laut geäussert und sind damit an die US-Behörden gelangt.

Der Konzernchef von Qatar Airways, Akbar al-Baker, hat diese Vorwürfe bereits mehrfach angesprochen, vor allem bei einem Treffen in Washington vor einigen Monaten. Wir haben auch einen umfassenden Widerspruch gegen diese Behauptungen vorgelegt, der öffentlich zugänglich eingelegt wurde. Zu diesem Zeitpunkt haben wir dem nichts weiter hinzuzufügen, ausser zu sagen, dass wir uns auf eine schnelle, objektive und faire Antwort von der US-Regierung auf diese falschen Behauptungen freuen.

Auf der Strecke Zürich-Doha setzt Qatar Airways den Dreamliner ein. Welche Vorteile besitzt dieses Flugzeug gegenüber andern?

Der Dreamliner Boeing 787 ist ein Flugzeug der neuesten Generation – nicht nur was dessen Konstruktion angeht, sondern auch was dessen Ausstattung anbetrifft. Gegenwärtig betreiben wir 25 Dreamliner und haben 35 weitere Flugzeuge dieses Typs bestellt. Das Flugzeug gilt öko-effizientestes Fluggerät im Markt – dank der Boeing 787 können wir das Engagement im Bereich Ökologie stärken beqziehungsweise ihren Beitrag zu einer Reduktion des CO2-Ausstosses stärken: der Dreamliner verbraucht im Vergleich zu anderen Flugzeugen gleichen Typs 20 Prozent weniger Kerosin. Zudem bietet das Flugzeug einen niedrigeren Kabinendruck und bessere Luftqualität sowie optimierte Luftfeuchtigkeit an Bord. Die Fenster verdunkeln sich dank LED-Technik statt herkömmlicher Fensterklappen.

Könnte Qatar Airways für Zurich künftig auch ein grösseres Modell einsetzen?

Wir sind sehr zufrieden mit der Boeing 787 und dessen Auslastung auf dieser Route.

Qatar Airways fliegt mit der Boeing 787 Dreamliner und als Erstkunde mit dem Airbus A350 zwei Grossraumflugzeuge der neuesten Generation. Warum die Wahl von zwei ähnlichen Flugzeugtypen für die Flotte?

Unser Ziel ist es, unsere Kunden in den den neuesten und aktuellsten Flugzeugen zu befördern. Ausserdem sind wir überzeugt, dass Fliegen im 21. Jahrhundert dank neuer Technologie ökologisch so effizient wie möglich erfolgen soll. Diese beiden modernen Flugzeugtypen erfüllen unsere besonderen Anforderungen perfekt.

Qatar Airways selbst hat soeben den sechsten Airbus A380 übernommen. Wie schafft es die Airline, dass sich dieses grosse, teure und im Unterhalt aufwendige Flugzeug wirtschaftlich rechnet?

Qatar Airways betreibt ein sehr genaues Monitoring der Auslastung sämtlicher Routen. Auf bestimmten Hauptstrecken mit einer hohen Passagierauslastung haben sich Grossraumflugzeuge wie der Airbus A380 als sehr effizient und als die beste Option erwiesen. Eine grosse Netzwerk-Fluggesellschaft wie Qatar Airways muss auf eine konsistente und zugleich variable Flotte zugreifen können, welche die Abdeckung sämtlicher Anforderungen des Marktes erlaubt.