Hügli meint

Steigende Kosten - Wer spricht denn hier noch von Rendite?

Im Minuszinsumfeld eine ansprechende Rendite zu erzielen - das Thema wird immer wichtiger. Mindestens ebenso wichtig ist ein Kostenbewusstsein bei der Geldanlage.
13.09.2019 08:00
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Der Finanzchef der dänischen Danske Bank sagte kürzlich: Die Abwälzung von Negativzinsen auf Bankkunden sei ein gefährlicher Schritt und stelle ein gesellschaftliches Risiko dar. Die Bank verzichtet daher auf eine Zins-Belastung der Kunden.

In Deutschland ist eine Debatte in Gang, ob ein gesetzliches Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer eingeführt werden soll. Initiativen von Politikern zielen darauf ab, dass Beträge bis 100'000 Euro von Negativzinsen ausgenommen werden. Die Debatte über das Schröpfen von Kleinpsarern wird mitunter hitzig geführt.

Sollen wir dies als typisch deutsche Lust an der Empörung abtun? Nein. Die Beispiele Dänemark und Deutschland zeigen bloss: Solche Debatten werden bei uns viel zu wenig geführt. Oder andersrum: Die Schweizer sollten sich beim Thema Negativzinsen ruhig ein wenig mehr aufregen. Denn eine Empörung würde das Bewusstsein schärfen für ein Thema, das noch viel zu wenig zur Kenntnis genommen wird: Die steigenden Kosten beim Parken und Anlegen von Geld.

Vor rund zwei Jahren haben Schweizer Banken begonnen, die Negativzinsen, die sie der Schweizerischen Nationalbank ausrichten müssen, auf die Kunden abzuwälzen. Es war wie ein Startschuss für eine grosse Kostenrotation. Die Liste der Strafgebühren-Banken ist mittlerweile immer länger geworden. Und die Gebührenschwelle für Bareinlagen sinkt weiter.

Ein besonderes Problem dabei ist die Transparenz: Strafzinsen kommen oft in einem geschönten Gewand daher. Bei der Postfinance werden sie den Kunden verschwurbelt als «Guthabengebühr» verkauft. Die Negativzinsen kommen quasi auch durch die Hintertür:  Kontoführungsgebühren werden erhöht, ebenso Transaktionskosten. Oder Banken erheben Gebühren für Kunden-Dienstleistungen, die zuvor gratis waren. Beim Geldabheben am Schalter etwa.

Da kommt mit der Zeit schleichend eine erkleckliche Summe zusammen. Und die Kosten werden Anleger, Sparer und Unternehmen auch über das Ende der Negativzinsen hinaus begleiten. Ein Ende, das noch Jahre auf sich warten lässt. Denn während die Strafzinsen irgendwann keine Berechtigung mehr haben und wieder einem «richtigen» Zins Platz machen müssen, kann man sicher sein:  Andere, nun laufend aufgebaute Gebühren werden nicht wieder rückgängig gemacht.

Kosten erkennen und in der Anlageumwelt so wenig wie möglich hohe Gebühren bezahlen - das wird in Zukunft so wichtig sein wie gute Renditen.