Kolumne

Stritti meint - Liebe Isabelle, lieber Ignazio, lieber Pierre

Stritti schreibt der Bundesratskandidatin und den Bundesratskandidaten einen Brief und erklärt Ihnen, weshalb sie virtuose Statisten waren.
19.09.2017 13:40
Hermann Strittmatter, VR-Präsident GGK Zürich
Liebe Isabelle, lieber Ignazio, lieber Pierre

Liebe Isabelle, lieber Ignazio, lieber Pierre

Ich erlaube mir das Du, denn wir kennen uns nun schon seit vielen, vielen Wochen. Also ich zumindest kenne Euch inzwischen in- und auswendig.

Ich weiss, wie alle Schweizerinnen und Schweizer, was Ihr wollt oder vielleicht eher nicht so möchtet, was Ihr liebt und möglicherweise nicht, was Ihr fühlt und überhaupt nicht, was Ihr so denkt, was für Euch wichtig, aber nicht undiskutabel ist, was Ihr ganz Europa, der Welt und überhaupt zu sagen habt und natürlich was Ihr zur Integration, zur Landwirtschaftspolitik und zur Landesverteidigung (auf Anfrage) zu verkünden bereit seid. Heute und morgen. Mit Überzeugung. Aus Liebe zur Schweiz.

Ich weiss natürlich noch viel mehr über Euch, aber das verrate ich nicht.

Jetzt frage ich mich nur, was wollt Ihr mir denn noch sagen, wenn eine respektive einer von Euch Drei endlich Bundesrätin respektive Bundesrat geworden ist?  Eben: Nichts.

Diesen nervtötenden Dreiklang in der Kommunikation kennt Ihr erfolgreichen Politiker ja vom Medien-Training her. Da habt Ihr gelernt, in einer Diskussion, einem Talk oder Interview jede Aussage mindestens dreimal leicht variiert zu wiederholen.

Einmal "In dieses Europa passt die Schweiz nicht." Alsdann "Unser Land passt nicht in dieses Europa." Und dann sicher noch "Unsere Schweiz und dieses Europa passen nicht zusammen." 

Auch darf man nicht einfach "Ja" sagen. Sondern angehängt "aber sicher, natürlich, unbedingt, ein ganz klares Ja, logisch!"

Ein simples "Nein" geht schon gar nicht. "Neinnein" ist das Minimum. Plus "keineswegs", "auf keinen Fall", "niemals" oder "nie und nimmer". Oder gar "Nur über meine Leiche."

Darum hat man uns ja Euch drei Kandidaten monatelang um die Ohren gehauen: Drei mal Ja: Ja zu Moret, Ja zu Cassis, Ja zu Maudet.

Die grosse Siegerin dieses perfekt orchestrierten Sommerspektakels ist die FDP. Es ist ihr gelungen, eine banale Ersatzwahl in den Bundesrat als schicksalhaftes Signal für die Zukunft der Schweiz bis mindestens zur nächsten Eiszeit zu dramatisieren. Die Partei war der Shooting-Star der Politbühne. Alle Medien sind auf diesen einfachen, aber kreativen Gag hereingefallen. Sie konnte nur gewinnen. Denn sie überliess den ultimativen Wahl-Entscheid den anderen Parteien und wird morgen Mittwoch die Hände in Unschuld waschen. Und die Champagnerkorken knallen lassen.

Isabelle, Ignazio, Pierre, Ihr wart virtuose Statisten. 

Hermann Strittmatter

Hermann Strittmatter ist aktiver VR-Präsident der von ihm gegründeten Werbeagentur GGK in Zürich. Betriebswirtschafter, Swissair-Werber, Weinbauer, Gastrokritiker und Kommunikationsberater für Wirtschaft und Politik. Schreiben Sie Ihre Meinung Hermann Strittmatter direkt stritti2@bluewin.ch oder an die Redaktion.