Tapering - Fed erwägt früheres Aus für Anleihenkäufe - Zinswende könnte näher rücken

Angesichts der hohen Inflation fasst die US-Notenbank Fed einen schnelleren Abbau ihrer Anleihenkäufe auf dem Weg zu einer Zinserhöhung ins Auge.
30.11.2021 18:14
Jerome Powell, Chef der  US-Notenbank Fed  (Juni 2017)
Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed (Juni 2017)
Bild: Bloomberg

Angesichts der hohen Inflation fasst die US-Notenbank Fed einen schnelleren Abbau ihrer Anleihenkäufe auf dem Weg zu einer Zinserhöhung ins Auge. Es sei angemessen, darüber nachzudenken, den als Tapering bekannten Prozess einige Monate früher abzuschliessen, sagte Fed-Chef Jerome Powell am Dienstag vor einem Kongressausschuss. Auf der Zinssitzung im Dezember werde das Thema wahrscheinlich zur Sprache kommen. Die Wirtschaft sei sehr stark und zugleich der Inflationsdruck hoch. "Und ich denke, das Risiko höherer Inflation hat zugenommen", sagte Powell. Die Kurse an der Wall Street beschleunigen ihre Talfahrt nach den Worten Powells. Ein Ende der Anleihenzukäufe gilt als Voraussetzung für eine Zinswende, die nun näher rücken könnte.

Die Federal Reserve hat Mitte November damit begonnen, ihre Wertpapier-Zukäufe um monatlich 15 Milliarden Dollar zurückzufahren. Das gesamte Ankaufvolumen von zuletzt 120 Milliarden Dollar monatlich könnte somit bis Mitte nächsten Jahres abgeschmolzen sein. Der scheidende Fed-Vize Richard Clarida hatte bereits signalisiert, dass ein beschleunigtes Tapering angesichts der erhöhten Inflationsgefahren auf der Zinssitzung Mitte Dezember zur Sprache kommen könnte. Fed-Direktor Christopher Waller wurde noch konkreter und forderte eine Verdoppelung des Abbau-Tempos. Dann könnte die Fed ihre Anleihenkäufe im April abgeschmolzen haben. Dies würde den Weg für eine Zinserhöhung im zweiten Quartal freimachen. Die Fed hält den Leitzins derzeit in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent.

Hohe Inflation noch bis Mitte 2022

Die derzeit hohe Inflation könnte nach Einschätzung Powells länger als ursprünglich erwartet andauern: "Es ist schwierig, die Fortdauer und die Auswirkungen der Lieferengpässe vorherzusagen. Aber es scheint derzeit so, dass Faktoren, die die Inflation antreiben, im nächsten Jahr fortbestehen werden", fügt er hinzu. Mit der rapiden Verbesserung am Arbeitsmarkt gehe ausserdem die Flaute zurück und stiegen die Gehälter in einem flotten Tempo.

Der jüngste Anstieg der Covid-19-Fälle in Verbindung mit der neuen Omikron-Variante stelle Risiken für die Beschäftigung und das Wirtschaftswachstum sowie eine erhöhte Unsicherheit für die Preisentwicklung dar. Das bevorzugte Inflationsmass der Fed sind die persönlichen Ausgaben der Verbraucher, bei denen Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert bleiben. Diese Jahresteuerungsrate lag im Oktober bei 4,1 Prozent und damit weit über dem von der Notenbank Federal Reserve angestrebten Niveau von zwei Prozent.

Powell sagte, er rechne noch bis Mitte nächsten Jahres mit hoher Inflation. Zugleich signalisierte er, dass sich die Fed von der Formulierung verabschieden dürfte, dass die Inflation vorübergehend sei. Die Notenbank werde ihre Instrumente nutzen, um sicherzustellen, dass sich der erhöhte Preisdruck nicht verfestige. 

(Reuters)