Umfrage zum Euro-Franken-Kurs - Abschwächung des Frankens? Das bleibt wohl eine Illusion

In den Franken-Kurs wird in den nächsten Wochen und Monaten Bewegung kommen. Eine Online-Umfrage von cash mit 5000 Teilnehmenden gibt einen Trend-Hinweis: Mit einer klar schwächeren Landeswährung rechnen die wenigsten.
02.05.2017 14:52
Von Ivo Ruch
Der starke Franken ist für die Schweizer Wirtschaft eine zusätzliche Herausforderung.
Der starke Franken ist für die Schweizer Wirtschaft eine zusätzliche Herausforderung.
Bild: cash

Mit der nahenden Entscheidung bei den französischen Präsidentschaftswahlen steigt auch die Spannung am Devisenmarkt. Die Ausganglage ist folgende: Gewinnt der linksliberale EU-Freund Emmanuel Macron am 7. Mai die Stichwahl, dürfte der Euro seinen aktuellen Wert halten oder gar zu einer Erleichterungsrally ansetzen.

Wird hingegen die Europa-Skeptikerin Marine Le Pen nächste Präsidentin, droht ein Chaos an den Währungsmärkten – auch wenn Le Pen mit der Wahl von Nicolas Dupont-Aignan als möglichen Premierminister ihre Anti-Euro-Haltung jüngst etwas aufgeweicht hat.

Aus Schweizer Sicht bedeutet das: Je nach Wahlresultat könnte der wichtige Wechselkurs Euro-Franken merklich auf- oder abwerten. Nach der ersten Wahlrunde vor mehr als einer Woche sprang der Euro-Franken-Kurs von unter 1,07 auf 1,0820 und somit auf den höchsten Stand im laufenden Jahr. Aktuell steht der Kurs gar bei 1,0858. 

Dass es nun in dieser Art und Weise in den nächsten Monaten weitergehen wird, daran glaubt zumindest das Gros der cash-Leserschaft nicht. Denn in einer am letzten Donnerstag angelaufenen Online-Umfrage auf cash.ch sagten nur 22 Prozent der rund 5000 Teilnehmenden "Ja" zu einem deutlich schwächeren Franken bis ins nächste Jahr hinein. Rund 78 Prozent der Teilnehmenden glauben hingegen nicht, dass der Euro-Franken-Kurs in den nächsten zwölf Monaten 1,16 erreicht, wie es die UBS prognostiziert.

Die grosse Merhheit der cash-Leserschaft rechnet also nicht damit, dass eine Wahl Macrons und der weitere politische Verlauf in der EU den Franken übermässig entlasten würde. Damit sind sie gleicher Meinung wie eine Reihe von Experten, die zwar eine Entspannung beim Euro-Franken-Kurs erwarten, allerdings nur eine minime. Raiffeisen prognostiziert per Anfang August einen Wert von 1,08, in zwölf Monaten erwartet sie 1,10. Die Zürcher Kantonalbank rechnet auf Sicht der nächsten Wochen "mit einer überschaubaren Fortsetzung der laufenden Aufwärtsbewegung bis 1.095".

Einerseits hat der Euro weitere Prüfungen zu bestehen. So ist zum Beispiel in Italien nur eine Übergangsregierung am Werk und bei allfälligen Neuwahlen (spätestens im Frühjahr 2018) gilt die Protestpartei Cinque Stelle als Favoritin. Auch ist es alles andere als klar, ob ein Präsident Macron mit stabiler Mehrheit regieren könnte.

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Andererseits erscheint der Schweizer Währungsraum im Vergleich mit dem Ausland immer noch als attraktiv. Die R&A Group schreibt dazu in einem aktuellen Kommentar: "Solange die Zinsen in der Schweiz lediglich 0,5 Prozentpunkte tiefer sind als in der Eurozone, dürfte der Franken überbewertet bleiben." Der Euro hat in jüngster Zeit gegenüber Dollar und Yen denn auch deutlich mehr aufgewertet wie gegen den Franken, wie die Grafik unten zeigt.

Dazu kommt die "neue" Perspektive der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bezüglich Interventionen am Markt, wonach sie sich nicht mehr ausschliesslich auf den Eurokurs fixiert, sondern "die gesamte Währungssituation" berücksichtigt, wie die SNB im letzten Dezember verlauten liess. Das heisst: Die SNB kann einen zum Euro stärkeren Franken tolerieren, wenn gleichzeitig der Dollar zum Franken zulegen kann. Steigt der Dollar zum Beispiel auf 1,10 Franken, könnte die Nationalbank durchaus mit einem Eurokurs von 1,03 leben, wird am Markt spekuliert. Anders als vielerorts erwartet, hat sich der Dollar in den letzten Monaten aber kaum aufgewertet. Er steht derzeit bei 0,994 Franken.

Für eine Abwertung des Schweizer Frankens kann mittelfristig im Grunde nur eine weitere Verbesserung des konjunkturellen Umfelds in Europa sorgen. Anzeichen dafür gibt es. Zum Beispiel deutet die Stimmung in den Industrieunternehmen des Euroraums immer stärker auf einen robusten Aufschwung hin - sie erreichte im April den höchsten Stand seit sechs Jahren.